news selection 12. May 2004

Ob Nachrichten aus der Perspektive des jeweiligen Rezipienten als positiv oder negativ empfunden werden ist sicher nur eine Komponente der Nachrichtenfaktoren, aber meines Empfindens nach eine sehr gewichtige. Meiner Vermutung nach besitzt jeder Rezipient ein persönliches Empfinden für eine Balance zwischen positiven und negativen Nachrichten, wobei ein Übermaß des jeweils einen oder anderen als unrealistisch empfunden wird. Die Wiederspiegelung dieser Balance im präferierten Nachrichtenkanal wiederrum dürfte wohl mitunter ein Auswahlkriterium für eben diesen sein. Beispiel: Ich lese gerne den Feulliton der FAZ, weil ich Kulturpessimist bin. Wenn man das nun ein wenig weiterdenkt, dann landet man schnell bei dem sicher nicht ganz neuen, aber meiner Meinung nach wie vor interessanten Thema der personalisierten Nachrichten und noch ein wenig weiter bei kollektiv personalisierten Nachrichten. Letztere könnte man interessanterweise unter Umständen direkt mit einem Friendster-System verknüpfen und sind gedanklich irgendwie auch nicht so weit weg von Weblogs. Wenn also Michael, Sabine und Roland ein Thema interessant finden, dann könnte das unter Umständen auch für Martin interessant sein. Personalisierte Nachrichten in Form von endlosen Checklisten mit Interessen sind bekanntermassen eher unerquicklich, aber ein lernfähiges System welches ähnlich Spamfiltern Nachrichten nach verschiedenen Kriterien wie etwa nach deren statistischen Eigenschaften sortiert wäre da vielleicht schon interessanter als irgendwelche massenkompatiblen Rubriken. Erste Ansätze dieser Natur scheint es in Form eines zentralen Systems seit Anfang dieses Jahres zu geben. Ein dezentraler Ansatz in Form eines klassichen Newsreaders wäre an dieser Stelle natürlich aus Gründen der Privatssphäre zu bevorzugen. Interessant in diesem Zusammhang sicher auch die möglichen gesellschaftlichen Folgen eines gut funktionierenden Systems. Mal vorrausgesetzt jeder wüßte welche Nachrichten er konsumieren wollte und würde auch nur diese Nachrichten aus den Massenmedien herausselektiert bekommen, was würde dann auf der Agenda stehen ?

 

Kommentare (4)

  1. Stefan S. 2 1 day later

    Michael, Sabine und Roland ein >Thema interessant finden, dann >könnte das unter Umständen auch >für Martin interessant

    Solange die ganze Gruppe ein gemeinsames Hobby hat, funzt das. Nachrichten, die das Hobby betreffen sind sicherlich für alle interessant. Aber wenn ich eins in Pädagogik für mich selbst gelernt habe, dann ist es, das man Menschen nur sehr bedingt in Gruppen einteilen kann. Ausserdem finde ich ein Argument in diesem Zusammenhang auch nennenswert: Wird man dadurch nicht noch mehr zum unipolaren Fachidioten, wenn man nur die Nachichten serviert bekommt, die einen interessieren ?

  2. stefan 2 days later

    wenn ich eins in Pädagogik für mich selbst gelernt habe, dann ist es, das man Menschen nur sehr bedingt in Gruppen einteilen kann.

    da werden sich die ethnologischen mitleser aber freuen, wenn sie das lesen g mit den menschen ist es meiner meinung nach so ein bisschen wie mit den musikalischen/literarischen genres, die letztendlich nichts anderes als menschen sind, wenn man ganz nah ranzoomt. man kann sie mißbrauchen um inhalte dogmatisch einzuengen oder man kann sie benutzen um orientierung zu schaffen, wobei letzteres die von mir präferierte herangehensweise ist :-)

    Wird man dadurch nicht noch mehr zum unipolaren Fachidioten, wenn man nur die Nachichten serviert bekommt, die einen interessieren ?

    das dürfte von vielen faktoren abhängen. spontan fallen mir folgende ein:

    • persönlichkeit des rezipienten
    • vielfalt der interessen der freunde
    • umfang des medienkonsums
    • usw.

    die gefahr besteht in manchen fällen sicherlich, jedoch bleibt ja schließlich einem selbst überlassen, welche basis-interessen man definiert. wenn man sich von anfang an nur für ein einziges thema interessiert und nur freunde mit genau dem gleichen interessenspektrum hat, dann ist die gefahr sicherlich recht hoch, aber in den meisten anderen fällen würde ich die auswirkung jetzt nicht so hoch einschätzen.

  3. sum1 10 days later

    diese system gibt bereits, für musik. es ist internet-radiosender. es funktioniert sehr gut eigentlich, hatte aber zuviel rechner-performance für mich verbraucht auf meinem alten geraä, habe den bookmark sicher noch irgendwo. damit auch neue anreize kommen, gibts 10-20% neue vorschläge die ich glaueb aber dennoch aus der peergroup stammen.

  4. stefan 21 days later

    ich denke ich weiss, was du meinst mir fällt der name aber gerade nicht ein…

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