svensk kultur 01. May 2008

Ich habe gerade das Buch “Gebrauchsanweisung für Schweden” von Antje Rávic Strubel gelesen. Der Anfang ist sehr kurzweilig und lustig, der hintere Teil streckenweise leider etwas langatmig. Insgesamt hat man das Gefühl, die Autorin hat sich relativ umfangreich in das Thema eingelesen. Es bleibt aber nicht beim Trockenschwimmen, die Autorin besitzt zeitweise ein Ferienhaus in Värmland und erzählt dabei von ihrem Erfahrungen mit den Menschen und der Natur. Auch von anderen Unternehmungen berichtet sie. Teilweise ist es aufgrund des Erzählstils etwas schwer nachzuvollziehen, ob die Autorin selbst an den Reisen beteiligt war, von denen sie berichtet. Sehr süß ist es beim Lesen zu beobachten, wie die Autorin bei allen möglichen Themen immer wieder auf Genderaspekte zu sprechen kommt. Ich denke ich würde das Buch nochmal lesen, aber ich würde dabei teilweise Abschnitte überspringen.

Ich habe mal einige Passagen herausgegriffen, die mir in irgendeiner Form unterhaltsam oder interessant erschienen.

Hier fiel mir auch wieder ein, dass ich Small Talk früher nicht hatte ertragen können: In Schweden wird nicht herumgelabert. Manche mögen die Schweden deshalb für schwer zugänglich halten, für wortkarg und unfreundlich. Es gibt Witze, in denen Schweden vorkommen, dir nur dann mit ihren Nachbarn reden, wenn sie sich aus ihrem eigenen Haus ausgeschlossen haben und den Nachbarn um den hinterlegten Ersatzschlüssel bitten müssen.

Geredet wird nur, wenn es etwas Sinnvolles zu sagen gibt. Alles andere ist kallprat, bullshit, kaltes Gerede, oder auch dödprat, totes Gerede. Zyniker werfen natürlich sofort ein, das diene alles nur der Kaschierung des Ketchup-Effektes: Erst kommt tatsächlich lange nichts, aber dann die volle Ladung.

Während man in Gegenden, in denen Menschen stärker aus sich herausgehen, sehr schnell das Gefühl hat, dazuzugehören und erst später bemerkt, dass es mit dem Dazugehören so ernst gar nicht gemeint war, wird man in Schweden, auch wenn man längst dazugehört, selten dieses Gefühl vermittelt bekommen.

Solange sie nicht um Hilfe gebeten werden, gehen Schweden gewöhnlich davon aus, dass auch keine Hilfe erwünscht ist. Ungefragte Hilfsangebote gelten normalerweise als Demütigung; sie zeigen dem anderen, dass er nicht in der Lage ist, allein klarzukommen. Allein klarzukommen ist für die Schweden aber so wichtig wie das Rot ihrer Häuser.

Die Schweden legen großen Wert auf Kompromisse. Diskussionen ähneln eher einer gemeinsamen Überquerung eines Minenfeldes, bei der niemand zurückgelassen werden darf, als einer Schlacht. Am Ende sollen alle mit dem eingeschlagenen Weg zufrieden sein. Während in Deutschland kaum eine öffentliche Debatte ohne pathetische Weltuntergangsvorhersagen auskommt, wird in Schweden so vernünftig argumentiert, dass emotionale Erregung überhaupt gar nicht erst entsteht, und alle Beteiligten schon deshalb einen Kompromiss eingehen, um nicht wegzudämmern.

 

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