pirate bashing by left-wingers 20. Sep 2009
Wer also sein Kreuz für die Piraten macht, muss sich darüber im Klaren sein, dass dann in Zukunft zum Beispiel Songs von Die Ärzte unbehelligt auf Nazi-Demos gespielt werden dürfen. (Julian Weber in der Taz)
Ich nehme mit steigender Verwunderung zur Kenntnis, wie sich die Piratenpartei in Kreisen der sogenannten politischen Linken als beliebte Zielscheibe etabliert. Nicht nur, dass jeder politische oder mediale Fehltritt auf breiter Front genüßlich ausgeschlachtet wird, nein auch in der allgemeinen Berichterstattung schreckt man nicht davor zurück höchst fragwürdige propagandistische Seitenhiebe zu verteilen. Ich vermute dieses Verhalten beruht auf zwei Ängsten.
Die erste Angst ist die Angst vor dem Unbekannten. Die Piratenpartei entspricht in ihrem Auftreten nicht den gewohnten Kommunikationsprinzipien, die sich in Jahrzenten in der Parteienlandschaft etabliert haben. Die Piraten verweigern sich vieler mehr oder weniger fragwürdiger Verhaltensweisen des allgemeinen Politikbetriebes. Dies sorgt natürlich bei den alten Hasen für Unsicherheit, weil ihre altgedienten Verhaltensweisen ins Leere laufen.
Die zweite Angst ist die Angst vor der Bedeutungslosigkeit. Die Piratenpartei hat sich in den vergangenen Monaten von einem Nischenphänomen zur einer wichtigen politischen Kraft gewandelt. Sowohl medial als auch auf der Straße kommt man kaum noch um die Piratenpartei herum. Sicherlich wird die Piratenpartei aufgrund ihres schillernden Namens einige Nichtwähler aktivieren, aber vor allem ist davon auszugehen, dass sie zunehmend bestehende Wähler der sogenannten politischen Linken abwirbt, die sich bisher nur auf dem Papier um die digitalen Bürgerrechte gekümmert haben und erst seit dem Aufkommen der Piratenpartei ein mehr oder weniger ernsthaftes Interesse daran gefunden haben.
So gross, wie du sie beschreibst habe ich die Piratenpartei bisher gar nicht wahrgenommen. Konfrontiert wurde ich auf der Freiheit Statt Angst Demo mit einem grossen orangenem Bus, der laute Technomusik von sich gab und am Ende des Demonstrationszuges den Potsdamer Platz so versperrte, dass der Rest des Demonstrationszuges darauf keinen Platz mehr fand.