berlin urban district bitching 01. Mar 2010
Die Perspektive der Zugezogenen.
Neukölln wird zum Anziehungspunkt junger Designer. Die aus Bielefeld stammende Designerin sagt, sie sei nach Berlin gekommen, um hier den Freiraum zu haben, zu experimentieren und zu improvisieren. Und anders als in Prenzlauer Berg wohnen in Neukölln “nicht nur die Hippen und Schönen. Hier muss nichts perfekt sein.” (Quelle: Tagesspiegel)
Die Perspektive des Einheimischen.
Die Designer könnten einmal den ganzen Stadtteil designen. Der ist nämlich weit heruntergekommen. Ich kenne beide Stadtteile seit über zwanzig Jahren und sie sind verkommen und ganz ekelhaft geworden. Eine Veränderung zum positiven wäre eine gute Sache für die Stadt. Als iich 1987 nach Berliun zog, war der Hermannplatz ein schöner, wenn auch etwas rechteckiger Platz, heute ist es ein unangenehmer Elendsplatz und die U-Bahnstation ein Graus. Alle schönen Geschäfte auf der Sonnenallee und Karl-Marx-Straße sind verschwunden und jetzt gibt es endlose Elendketten mit Handyläden und 50-Cent-Shops. Ein Niedergang, der sehr traurig macht. Damals war der Karstadft am Hermannplatz eine tolle Adresse, der Hertie auf der Karl-Marx-Straße ein schönes Kaufhaus mit tollem Sortiment, und weiter oben das Passage-Kino neben der Neuköllner Oper war ein gern besuchtes. Jetzt ist das alles total heruntergekommen und es sind unangenehme Orte geworden. (Quelle: Siehe oben)
Woher kommen eigentlich nur die kleingeistigen Lokalrivalitäten zwischen den verschiedenen Stadtteilen? Ich dachte hier in Berlin wäre man irgendwie etwas gelassener. Leider weit gefehlt, wenn sich die Bewohner des prolligen Neukölln und des schicken Prenzlauer Berg gegenseitig anbitchen kommt mir das tatsächlich vor wie ein fader Aufguss der albernen Köln-Düsseldorf-Rivalität deren Sinn sich mir noch nie erschlossen hat. Wieso künstliche Gräben erzeugen wo keine sind? Sind diese frisch zugezogenen Lokalpatrioten dann eigentlich auch so konsequent ihre Freunde zu schneiden, wenn sie in das verhasste Stadtviertel ziehen? Wird der Konzertbesuch der Lieblingsband abgesagt, weil das Konzert ins Feindesland verlegt wurde? Wahrscheinlich ist es mit dem Lokalpatriotismus wie mit der Religion. Die radikalsten Prediger sind immer die Konvertiten.
Kommentare (1)