welcome to the great digital divide 12. May 2010

In anbetracht der Tatsache, dass ich in mittlerweile über dreissig Jahren noch nie einen Fernseher besessen habe und seit mehr als zwanzig Jahren täglich mehrere Stunden am Rechner arbeite erscheint mir dieses Urteil mehr als grotesk. Kurz gesagt: Auf dem Sofa Unterschichtenfernsehen glotzen ist okay, aber aktive Teilnahme an der digitalen Gesellschaft ist nicht vorgesehen. Das ist die wahrgewordene digitale Spaltung in Deutschland. Mit der Piratenpartei würde es so eine Diskriminierung selbstverständlich nicht geben, aber nach den 1,5% in NRW ist deren Einfluß leider bis auf weiteres erstmal nur beschränkt

 

Kommentare (6)

  1. ssp 20 minutes later

    Naja, finde ich schon konsistent.

    Wenn ichs richtig verstehe, ist Fernsehen ja inklusive, damit die Leutchen schön ruhig auf den Sofas bleiben und nicht kriminell werden – Opium fürs Volk, quasi – wenn sie schon nichts zu tun haben.

    Internet ist ja nun potentiell ein aktiveres Medium und Leute, die es nutzen, werden bei der hiesigen Rechtslage ja auch schnell mal zu Kriminellen gemacht. Das wäre also insgesamt eher kontraproduktiv.

    In Anbetracht, wie haltbar Fernsehgeräte sind und wie kurzlebig und teuer Computer sind, wäre es im Vergleich zu den Fernsehgeräten sicherlich auch eine üppige Geldverschwendung behördenorganisierte Geräte abzugeben.

  2. Stefan 28 minutes later

    Ich finde Deine Interpretation der Entscheidungsmotivation zwar recht deprimierend, aber plausibel. Bei der finanziellen Argumentation gehe ich aber nicht d’accord. Man bekommt heutzutage schon für unter fünfhundert Euro einen sehr guten Laptop. Wenn man nicht immer die neueste Bloatware von Microsoft draufspielt kann man den problemlos länger als fünf Jahre nutzen. Meine Eltern haben beispielsweise einen acht Jahre alten PC mit Windows XP der durchaus brauchbare Dienste verrichtet. Ich muss ihn halt nur alle 2-3 Jahre neu aufsetzen, weil dann die Halbwertszeit der Windowsinstallation überschritten ist ;-)

  3. ssp About 3 hours later

    Du beschreibst aber ein best-case Szenario mit liebevoller Behandlung des eigenen Gerätes und regelmäßige Pflege.

    Ist die Behandlung schlechter und das Gerät ohnehin nicht ein eigenes, vermute ich, daß Installationen noch viel schneller kaputt gehen, vervirt werden etc. Und wer sorgt dann dafür, daß sie wieder in Gang kommen?

    Vielleicht klappt das, wenn es denn mal Chrome-Computer gibt. Bis dahin bleibt der gute alte Fernseher doch die idiotensicherere Wahl.

  4. Stefan About 6 hours later

    Ja, das Szenario ist ein Best-Case-Szenario, dass will ich nicht unterschlagen. Natürlich kann durch schlechte Behandlung die Hardware oder die Installation beschädigt werden.

    Was Hardwareschäden durch unvorsichtiges Verhalten angeht, so ist in Schweden die sogenannte Drulleförsäkring (“Tölpelversicherung”) sehr weit verbreitet. Das ist so eine Art Vollkaskoversicherung für Haushaltsgeräte (Waschmaschine, Computer, usw.). Die Angebote fangen schon bei drei Euro pro Monat an und decken dann mehrere tausend Euro pro Schadensfall ab. Wenn Du eine solche Versicherung hast und Dir Dein Rechner runterfällt, oder eine Kaffetasse draufkippt und er hat einen Defekt, dann zahlt die Versicherung. Natürlich ist es wie bei allen derartigen Versicherungen, wenn die Schadensfälle sich häufen, dann erhöhen sich die Beträge und wenn Du es allzuwild treibst, dann fliegst Du irgendwann raus. Vielleicht funktioniert so eine Versicherung auch nur in Schweden, wo die Gesellschaft auf Vertrauen basiert anstatt auf Mißtrauen wie es größtenteils in Deutschland der Fall ist.

    Was Schäden an der Installation angeht, so halte ich es für sinnvoll, dass als Bedingung für den Erhalt eines Rechners minimale PC-Kenntnisse nachgewiesen werden müssen. Wer mit einer Windows-Neuinstallation überfordert ist, der sollte vielleicht besser auch keinen Rechner erhalten. Alternativ würde ich es für angemessen halten, wenn der ALG2-Empfänger die Kosten für die Durchführung einer Neuinstallation aus seinem monatlichen Budget zu bestreiten hat. Wenn ich einen Laptop in irgendsoeine PC-Doktor-Klitsche schleppe und dem PC-Heini sage “bitte mal Windows neumachen” dann wird der dafür realistischerweise vielleicht zehn bis zwanzig Euro berechnen. Das hielte ich für zumutbar. Ein Chrome-PC wäre in diesem Zusammenhang natürlich eine interessante Alternative.

  5. ssp 1 day later

    Die Tölpelversicherung klingt gut :)

    Was den Nachweis von »PC Kenntnissen« angeht, argwöhne ich immer, daß solche Sachen nur dazu dienen entsprechende Schulungs- und Zertifizierungsdienstleister durchzufüttern aber nicht dazu die Menschen zu irgendwas zu befähigen.

Kommentar schreiben

Markdown Syntax