invasive service marketing 20. May 2010
Anwohner beklagen die aufdringlichen ungarischen Mädchen. Einige Prostituierte fassten vorbeieilenden Passanten zudringlich in den Schritt. Im Frauentreff ist man diplomatisch: Man müsse, heißt es, einigen Damen schon mal erklären, dass man zwölfjährige Schüler nicht zu käuflichem Sex überreden sollte. (Quelle: Tagesspiegel)
Ich muss zugeben, ich war ja schon ein wenig schockiert, als ich mich vor einigen Jahren mal in der Kogge in Hamburg einquartierte. Durch die Lage in umittelbarer Nähe der Davidwache hatte ich einen ungefilterten Einblick in das Geschehen. Da ich ohne weibliche Begleitung vor Ort war hatte ich mich schon darauf eingerichtet während meiner nächtlichen Ausflüge zu Clubs und Konzerten den ein oder anderen unerwünschten Dialog zu führen. Die vorgefundene Realität übertraf dann aber tatsächlich meine Erwartungshaltung.
Während ich mit B. einen nachmittäglichen Spaziergang von der Elbe zur Reeperbahn absolvierte kam es zur Konfrontation mit einer der Damen aus dem örtlichen Gewerbe. Diese stellte sich mir nicht nur in den Weg, so dass ich großzügig ausweichen mußte um meinen Weg fortzusetzen sondern erdreistete sich dann tatsächlich zu einem wie im obigen Zitat beschriebenen Griff in den Schritt.
Wenn so ein Verhalten auf der Herbertstraße aufgetreten wäre, dann hätte man man es vielleicht als zulässige “Marketingmaßnahme” betrachten können, aber in dieser Situation war für mich eindeutig eine Grenze überschritten worden. Gibt man etwa als Mann an der Bezirksgrenze von St. Pauli das Recht auf körperliche Unversehrtheit ab? Wird man dort automatisch zur einer Art Freiwild? Um zu verdeutlichen was dieser Vorgang bedeutet stelle man sich nur mal vor, dass am hellichten Tage an einem öffentlichen Platz mitten in der Stadt eine Gruppe von Männern systematisch den vorbeigehenden Frauen zwischen die Beine grabschen würde. Das Geschrei der Allgemeinheit und in den Medien wäre sicherlich groß. Es würden sicherlich sofort Anzeigen erstattet werden. Man stelle sich nun aber mal vor ich würde nach so einem Vorfall als Mann zur Davidwache gehen und dort Anzeige wegen sexueller Belästigung gegen die Dame erstatten. Das Gelächter der zuständigen Beamten wäre sicherlich groß.
Ein schönes Beispiel dafür wie in unserer Gesellschaft mit zweierlei Maß gemessen wird. Wenn Frauen sexuell belästigt werden, dann gibt es großes Geschrei, wenn die Intimsphäre von Männern verletzt wird, dann ist es allenfalls eine Randnotiz wert.
/me erinnert sich noch gut an den Tag.
Aber der Kiez ist eh mit einer der uninteressantesten Orte in Hamburg.
Schon alles so eine Sache mit den Bordsteinschwalben in Hamburg… Bei mir hielt sich die physische sexuelle Belästigung in Grenzen. Das schlimmste waren Griffe an den Arm oder der Versuch sich Einzuhaken, aber die haben auch bei Protest sofort wieder losgelassen. Was hilft: Große Kopfhörer! Warum weiß ich nicht, aber ich wurde noch nie von einer Prostituierten angesprochen als ich große Köpfhörer anhatte. Naja, und die Blickkontaktvermeidung ist das allerwichtigste. Sobald man einmal in deren Richtung guckt stürmen die schon los.
Brr… manche von den Gestallten sind aber auch finster. Einmal kam eine bestimmt 50 jährige Hexe um eine Ecke gesprungen und fragte mit krächzender Stimme: “Naaa? Blasi? Hasi?” Ich dachte erst, dass eine so alte Frau mich bestimmt bloß nach dem Weg fragen wollen würde…
@b Hm? Wieso ist der Kiez einer der uninteressantesten Orte in Hamburg? Klar, Straßen wie die Reeperbahn und die Große Freiheit sind eine Mainstreamwüste, aber in den Seitenstraßen zwischen Reeperbahn und der Schanze gibt es doch auch viele nette Läden.
“Gibt man etwa als Mann an der Bezirksgrenze von St. Pauli das Recht auf körperliche Unversehrtheit ab? Wird man dort automatisch zur einer Art Freiwild?”
abgesehen von einer mitgebrachten (nichtkommerziellen!) frau im arm oder den beschriebenen kopfhörern, halfen mir hier vor allem volle einkaufstüten aus denen oben porree rausguckt… oder frisch zugeschnittene bretter aus dem baumarkt unter dem arm… plötzlich scheint man unsichtbar zu sein.
es war zum schluss soweit, dass ich nach acht uhr abends die entsprechenden straßen völlig gemieden habe… soviel porree kann ja keiner essen…