what does the internet do to us? 26. Sep 2010

Die Frage ob das Internet dumm macht reduziert sich für mich letztlich auf die Frage ob Medien dumm machen. Machen Bücher dumm? Machen Zeitungen dumm? Macht Fernsehen dumm? Machen Hörbücher dumm? Üblicherweise wird entgegnet, ein Medium sei ein Werkzeug, was uns weder schlau noch dumm macht, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ein Medium hat meiner Meinung nach vielmehr die Rolle eines Katalysators. Wenn jemand geistreich und wissbegierig ist, der wird das Internet ihn in seinem Wissensdurst bestärken und wenn jemand kleingeistig und ignorant ist, der wird im Netz jede Menge Gleichgesinnte finden, die ihn in seiner Einfältigkeit bestärken. Das Netz ist einfach der beste Katalysator den die Menschheit jemals erfunden hat. Es fördert sowohl die Verdummung als auch das intellektuelle Wachstum von Menschen. Wichtig ist meiner Meinung nach vor allem, und da stimme ich dem Autor des referenzierten Artikels zu, dass Menschen früh auf den richtigen Weg gebracht werden. Die frühen Jahre sind entscheidend. Wer das richtige Rüstzeug mitbekommen hat, der kann sich mit dem Netz die ganze Welt erschließen anstatt in seinen Untiefen zu versumpfen.

 

Kommentare (3)

  1. ssp 41 minutes later

    Vielleicht ist das Medium (an sich) zunächst neutral.

    Allerdings ist die Aufteilung in »geistreich und wißbegierig« vs »kleingeistig und ignorant« vielleicht auch nicht so einfach. Und selbst wenn es formal jeder in der Hand hat, wie er sich verhält, habe ich schon den Eindruck, daß gewisse Medienformen es dem Nutzer/Konsumenten besonders einfach machen, ein bestimmtes Verhalten einzuschlagen.

    Damit erfordert das »gute« Verhalten eventuell eine besondere Kraftanstrengung und verkümmert so über die Zeit. Insbesondere da ein »kleingeistig und ignorantes« Verhalten deinerseits höchstwahrscheinlich kurzfristig profitabler für die Großzahl der Internetvollschreiber/-filmer ist, und somit ein großes Interesse daran besteht.

  2. Stefan About 2 hours later

    Geistreich und wissbegierig: Wikipedia, Wiktionary, Google Scholar
    Kleingeistig und ignorant: Youtube-Kommentare, Facebook-Gruppen

    Also bei mir ist es einfach so, dass die Etablierung des Internets als Massenmedium bei mir dazu geführt hat, dass ich mich überhaupt mal über irgendwas informiere. Ich bin vorher nie zur Recherche in die Bibliothek gegangen und den Brockhaus meiner Eltern habe ich auch nur sporadisch konsultiert. Mein medial erworbenes Allgemeinwissen war vor der Erfindung des Internets praktisch durch die Lehrpläne der Schule und die Agenda der Zeit-Redaktion bestimmt.

    Wenn mir jetzt ein Gedanke oder eine Frage im Kopf herum schwirrt dann grabe ich mich gerne mal spontan zwei bis drei Stunden durch das Netz. Durch diese regelmäßigen Streifzüge habe ich mir im Laufe der letzten zehn Jahre nicht nur Fachwissen sondern auch ein beachtliches Pottpourie von mehr oder weniger obskurem Halbwissen angeeignet, was sich meines Erachtens positiv auf meine Konversationsfähigkeit ausgewirkt hat.

    Welche Verhaltensformen begünstigt denn deiner Meinung nach das Internet im Gegensatz zum Fernsehen, dem Buch, dem Hörbuch, dem Radio, der Zeitung?

  3. ssp About 4 hours later

    Das Internet liefert sicher mehr »information at your fingertips«, aber auch schon vor dem Internet hab ich gerne Bücher, Lexika etc. gelesen. Nun öffnen sich mir zusätzliche Quellen mit weniger Aufwand.

    Insbesondere führt das dazu, daß ich mich für mehr Dinge »interessiere« und das, gezwungenermaßen, oberflächlicher. Der Einstieg ist leicht. Aber bei wie vielen Themen dringt man durch die Oberfläche hindurch? Und bei wievielen bleibt wirklich etwas hängen? Es ist »im Internet« sehr verlockend sich eine Menge factoids anzueignen und sehr einfach, ein tieferes Verständnis zu vermeiden. Durch die große Anzahl der Teilnehmer, zu denen auch die 90% »Dummen« gehören, wird in einer solchen Umgebung eine interessante Diskussion auch schwierig.

    Dein Punkt mit der Frage im Kopf zeigt eventuell auch auf das Problem: Es ist einfach, interessant und auch unterhaltsam, sich mit verschiedensten Themen durchzuprokrastinieren. Aber wie häufig geht eine solche Beschäftigung über die anfängliche Neugier hinaus? Wie häufig ist das erlangte Wissen irgendwie sinnvoll oder wirklich interessant?

    Das Internet vereinfacht das sinnlose Rumprokrastinieren erheblich. Man hat es nie »fertig« gelesen und es wird ständig neuer Schwachsinn mit gut versteckten Goldstückchen drin nachgeliefert. Das mag ein Stück weit erbaulich und auch bildend sein. Aber nicht nur. Wo genau da die Grenze gezogen wird/werden sollte, ist wahrscheinlich eine schwierige Frage.

    Vielleicht hat das Internet mit seinen zahlreichen Ablenkungen auch das Potential zum »Opium des Volkes« im 21. Jahrhundert?

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