my personal musical development 09. Dec 2010

Das erste Musikstück was mich auf nennenswerte Weise berührt hat habe ich Ende der Achtzigerjahre in der Nähe von Chicago im Alter von neun Jahren im Zimmer des großen Bruders meines Freundes K. gehört. Es handelte sich um nicht nichts geringeres als das Stück Paradise City der amerikanischen Hard-Rock-Band Guns N’ Roses. Ich war damals so begeistert von dem Stück, dass ich mir umgehend das ganze Album kaufte, womit Appetite for Destruction in Form der damals gebrächlichen Musikkassette dann auch gleich meinen ersten Tonträgerkauf markierte.

Das Album sollte sich als Einstiegsdroge für eine mittelstarke Metallphase herausstellen. Während die ganze Welt Anfang der Neunziger nach Seattle guckte arbeitete ich mich unter anderem genüsslich durch das Frühwerk von Metallica. Ich hatte für einen kurzen Zeitraum sogar mal lange Haare, allerdings nicht aufgrund einer rebellischen Attitüde, sondern weil ich schlicht und ergreifend zeitweise zu faul war zum Friseur zu gehen. Eine Kutte mit diabolischen Aufnähern habe ich nie getragen. Das war mir zu plakativ, auch wenn ich das damals nicht so hätte formulieren können.

Als ich aus dem Gröbsten der Pubertät raus war entdeckte ich irgendwann auf einem Konzert die deutsche Fanzineszene und damit die Welt des deutschprachigen Indiepop. Hamburger Schule nannte man das damals und es gab viel zu entdecken. Für einen kurzen Zeit erschien es mir tatsächlich als wenn Hamburg der Nabel der Welt wäre. Beinahe wäre ich auch dahingezogen, aber das ist eine andere Geschichte. Über die Hamburger Schule bin ich dann auf die Ro3003-Kompilation gestoßen und damit Ende der Neunziger erstmals in Kontakt mit elektronischer Musik gemäß meinen Vorstellungen gekommen. Das war dann auch ungefähr der Punkt an dem mein Musikgeschmack eingefroren wurde. Ich denke es wäre keine Übertreibung, wenn ich behaupten würde seit gut fünfzehn Jahren mehr oder weniger dieselbe Mischung aus Indiepop und Elektronik zu hören.

Womit ich lange Zeit überhaupt nichts anfangen konnte war klassische Musik. Ich hatte keinen Klavierunterricht als Kind und bin auch sonst nie in Kontakt damit gekommen. Ich kannte einfach niemanden der ernsthaft klassische Musik gehört hat. Meine initiales Erlebnis in Bezug auf klassische Musik hatte ich dann Mitte der Nullerjahre beim Betrachten des isländischen Films Nói Albínói. Dort hat klassische Musik in Form von Schostakowitschs Elegie zum ersten Mal eine emotionale Wirkung auf mich gehabt. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, da würde mir jemand etwas erzählen. Gleichzeitig war es auch eine Lehrstunde, weil ich bei meinen Recherchen sehr schnell gemerkt habe, dass ich nur diese eine Aufführung mochte und alle anderen Fassungen die ich mir anhörte mehr oder weniger entschieden ablehnte. Im Gegensatz zur Indiepop-Band die ihre Lieder immer alle selber spielt hat man also bei der klassischen Musik also immer zwei Faktoren welche, die Rezeption beeinflußen. Es reicht also nicht einen Komponisten zu finden, den man mag, man muss auch noch ein Streichquartett finden, welches die Komposition in angemessener Weise aufführt. Was mir dann vor kurzem noch gut gefallen war etwas von Schumann. Leider war die Sendung auf Deutschlandradio Kultur schon fast zuende als ich zugeschaltet habe. Ich denke ich werde mich mal in den kommenden Wochen in Spotify durch die Schumann-Aufführungen hören.

 

Kommentare (2)

  1. Simon About 20 hours later

    Mein musikalischer Werdegang erscheint mir im Anbetracht der geringen Genreanzahl als eher ereignislos.

    Bis ich 11 war, habe ich gar keine Musik gehört, abgesehen von den Intros meiner Kinderkassetten (vor allem die LegoPiraten haben gerockt). Ich denke mit 12 habe ich mir eine Eminem CD gekauft, weil die jeder gekauft hat. Durch MTV entdeckte ich dann jedoch schnell ein Faible für Stromgitarren und grub mich seitdem lange Zeit nur noch durch die “Heavy” Abteilungen von Mediamarkt und Saturn. Angefangen bei Schmusehardrock und von da aus dann zielgenau fortgearbeitet bis zum finstersten Knüppelkram. So ab 19 realisierte ich dann das es auch noch was anderes gibt als norwegischen Blackmetal und höre seitdem tolerant in fast alles mal rein (außer Rytmusbasierende Musik. HipHop, RNB bestimmte Elektrosorten … damit konnte ich noch nie was anfangen).

    Metalkram bleibt trotz anderer musikalischer Ausflüge bisher stets das Herzstück meines Musikgeschmackes, auch wenn ich sagen muss das ich derzeit eine sehr ausgedehnte Folklore und Klassikphase habe.

    Aprops Klassik: Schubert! Genau der ist auch mein präferierter Komponist wenn es um Klassik geht. Hits wie “der Tod und das Mädchen” oder “die Winterreise” sind schon nicht schlecht… Was ich bei Klassik abgesehen von unterschiedlichen Werkinterpretationen so problematisch finde ist, dass überhaupt die Stücke der Komponisten oft so unterschiedlich klingen.

    Ich hatte mal von Bach im Radio zwei Konzerte gehört und war bis in die Zehenspitzen restlos begeistert wie lange nicht mehr von Musik. Dann hab ich mich durch eine “Best-Of-Bach” Doppel-CD gehört und ich fand jedes dieser Stücke totlangweilig und zum Einschlafen ödes Gedudel. Scheinbar muss man sich erstmal höchstpersönlich durch alle 429 Werke eines Komponisten durchhören bevor man weiß welches man von ihm mag und was nicht bzw. um sich ein abschließendes Urteil bilden zu können.

  2. Stefan 1 day later

    Nicht SchuBERT sondern SchuMANN :)

Kommentar schreiben

Markdown Syntax