who the fuck needs shopping malls? 22. May 2011
Erwähnte ich bereits meinen leidenschaftlichen Hass auf Einkaufszentren? Diese bestehen stets aus demselben seelenlosen Franchisedreck den kein Mensch braucht und stellen wieder nur eine weitere Privatisierung des öffentlichen Raums dar. Für die effiziente Bespaßung des gemeinen Landpöbels mögen Einkaufszentren aufgrund der im allgemeinen guten Parkmöglichkeiten vielleicht ihre Daseinsberechtigung haben aber in Städten sind sie in meinen Augen ungefähr so erstrebenswert wie Hundehaufen auf den Bürgersteigen.
Ehrlichgesagt unterscheidet sich in meiner Wahrnehmung die durchschnittliche Innenstadt bezüglich der vorhandenen Geschäfte auch nicht mehr wesentlich von einem Einkaufszentrum.
Da läuft es dann auf einen Tradeoff zwischen den wenn man Glück hat schöneren Fassaden der Stadt und der Überdachung der Mall hinaus.
Hier in meinem Kiez gibt es Gott sei Dank praktisch nur einzigartige Geschäfte. In einem Umkreis von wenigen hundert Metern beispielsweise mehrere alteingesessene Fachläden für Handwerksbedarf. Mein Westbesuch reibt sich immer verwundert die Augen: “Ihr habt ja garnicht diese ganzen ätzenden Franchiseläden hier!” Abgesehen von einer Schleckerfiliale ist die Welt hier noch in Ordnung. Jetzt wollen sie aber im angrenzenden Viertel ein Einkaufszentrum bauen was hier nun wirklich kein Mensch braucht, daher die Polemik.
Wenn ich die Gegend richtig im Kopf habe ist das alles aber nicht besonders praktisch, weil die Geschäfte sehr verstreut und viele (meiner Meinung nach) auch wenig nützlich sind.
Es ist mir unklar, weshalb »gute« Geschäfte es auch in normalen Shopping-Straßen so schwer haben.
Ich weiß ja nicht, was du als nützlich empfindest. Für mich steht beispielsweise eine große Auswahl an Imbissen mit kostengünstigem, leckerem und gesundem Essen ganz weit oben auf der Prioritätenliste und da hat der Prenzlauer Berg durchaus einiges zu bieten und das Angebot ist auch ständig in Bewegung, so dass es nie langweilig wird. Mein derzeitiger Favorit ist beispielsweise Suppe & Salat, wo man – und das sage ich ohne jegliche Übertreibung – für den Preis von einem Big Mac und einer Portion Pommes Frites gesundes Essen in Gourmet-Qualität bekommt.
In diesen Einkaufszentren gibt es als groben Kontrast dazu überteuerten Glutamat-Fettfraß, Plastiksalate und Zuckergetränke von multinationalen Konzernen in grotesken Größeneinheiten (Supersize Me!), das alles garniert mit einer komplett ätzenden Atmosphäre. Diese Unternehmen tragen meiner Meinung nach einen ganz großen Teil der Verantwortung dafür, dass gesunde und fleischarme Ernährung in bildungsfernen Milieus praktisch keine Rolle spielt.
Sicher kann man nicht verhindern, dass McDonalds in seinem Stadtviertel eine Filiale aufmacht, aber man sollte sich doch zumindest soweit die demokratische Ordnung dies zulässt gegen den heuschreckenartigen Überfall des dreckskapitalistischen Mobs in Form von Einkaufszentren wehren. Leider sind Bürgerbegehren in Berlin nicht rechtsverbindlich, aber es ist ja bald Wahl und da sind die Herren Politiker ja auf wundersame Weise plötzlich immer etwas kooperativer :)