entertaining extremist comics 20. Apr 2010

Linksextremist

Weil’s gerade so gut passt, hier der kurze Hinweis auf die Comics zum Extremismus des Innenministerium Nordrhein-Westfalen. Es gibt jeweils eine Ausgabe zum Rechtsextremismus, Linksextremismus und Islamismus. Die Comics sind als PDF verfügbar und können aber auch kostenfrei per Post bestellt werden. Mein kleiner Bruder hat seinem linken Steinewerfer-Freund die Ausgabe zum Linksradikalismus zum Geburtstag geschenkt und dieser war hellauf begeistert ob der originalgetreuen Detailwiedergabe. Ein Freund von mir - seines Zeichens promovierter Marxist - kritisierte indes die Beschreibungen bestimmter Gruppierungen als zu reduziert und tendenziös. Ich fand die Comics auf jeden Fall recht unterhaltsam und teilweise durchaus lehrreich.

 

suhrkamp goes comics 18. Jan 2010

Es wird bei uns literarische Comics geben. Deutschland kann nicht länger eine Kulturnation bleiben, deren Erzähler die Möglichkeiten des mit Bild und Text arbeitenden Romans, der “graphic novel”, ungenutzt lassen. Das heißt auch, dass wir dieses neue Genre mit den alten Formen, den literarischen Texten, auf eine Art verbinden werden, die beide erhellt. (Ulla Unseld-Berkéwicz im Spiegel 45/2009)

Es ist mir seit jeher rätselhaft wieso scheinbar die Mehrheit der deutschen Bevölkerung Comics als unseriöses nicht ernstzunehmendes Medium für Kinder und Jugendliche betrachtet. In Ländern wie Frankreich hat der Comic einen ganz anderen Stellenwert im Kulturleben. Vielleicht werden die Bemühungen Suhrkamps dazu beitragen, dass man sich in Zukunft als Erwachsener auch außerhalb von Comicnerd-Kreisen ohne komisch angeguckt zu werden zu seiner Leidenschaft bekennen kann.

 

comics, graphic novels and myself 20. Nov 2009

In meiner Kindheit habe ich Berge von Comics verschlungen. Von Asterix und Obelix und Lucky Luke habe ich mehrmals sämtliche Bände gelesen, denn sie befanden quasi in meiner Hausbibliothek. Darüber hinaus habe ich viele Stunden in der Stadtbücherei meiner Heimatstadt verbracht und mich leidenschaftlich durch das dortige Comicregal durchgelesen. Am liebsten habe ich Lustige Taschenbücher gelesen, von denen ich mir dann auch im Laufe der nächsten zwanzig Jahre eine mehrere hundert Bände umfassende Sammlung aufbauen sollte, wobei mittlerweile noch einige dutzend schwedischsprachige Kalle Ankas Pocket hinzugekommen sind. Obwohl ich das Medium nie völlig aus dem Blick verloren habe, war meine heiße Comicphase dennoch in meiner späten Kindheit bzw. meiner frühen Jugend. Seitdem beschränkte sich meine Comiclektüre auf besagte lustige Taschenbücher und einige zusammengetackerte DIY Fanzinecomics.

Im Juli dieses Jahres habe ich dann meinen Sommerurlaub in Form eines mehrwöchigen Schwedischkurses in der gemütlichen Studentenstadt Lund verbracht. Im Rahmen dieses Aufenthaltes bin ich dann mal wieder in den Genuss des vorzüglichen schwedischen Bibliothekssystemes gekommen. Bei meinem Aufenthalt in Malmö hatte ich zuvor bereits positive Eindrücke sammeln können und auch in Lund wurde ich mit offenen Armen empfangen. Das Erstellen des Bibiliotheksausweises war kostenlos, ich brauchte mich weder auszuweisen noch meinen damaligen Wohnsitz nachzuweisen und das Prozedere ging innerhalb weniger Minuten völlig unbürokratisch über die Bühne. Zuerst war ich hauptsächlich interessiert an den Veröffentlichungen des Lättläst-Verlages (zu deutsch: “Leicht gelesen-Verlag”), die Romane und Kurzgeschichten in leichter Sprache veröffentlichen. Die Zielgruppe dieser Bücher sind zwar nicht primär Sprachschüler sondern eher Menschen mit einfacher Bildung und lerngestörte Menschen, aber deswegen sind sie keinesfalls weniger als Lernmittel geeignet. Bei meinem ersten Besuch ist mir dann aber direkt die prominent direkt am Eingang platzierte Comicabteilung aufgefallen. Speziell ein Buch der schwedischen Autorin Maja Lindén ist mir ins Auge gestochen. Ich habe es neugierig in die Hand genommen und ein wenig quergelesen. Nach wenigen Comicstrips und einigen lauten Lachern war ich angefixt. Außerdem lag in der Auslage die schwedische Übersetzung von Persepolis. Ich hatte irgendwo schonmal von dem Buch gehört, aber mich noch nicht näher damit beschäftigt. Auch hier fand ich spontan gefallen an der Lektüre. Nachdem ich auf Anhieb auf diese zwei Volltreffer gestossen bin, habe ich mich dann anschließend neugierig durch den kompletten Bestand durchgegraben. Ich habe dann noch lediglich zwei bis drei weitere vergleichbar interessante Bücher entdecken können, aber nichtsdestotrotz hat diese literarische Begegnung in mir eine Erkentnis ausgelöst. Es gibt liebevolle, einzigartige und intelligente Comics für Menschen die der Pubertät entronnen sind. Das war eine gänzlich neue Erkenntnis die eine emotionale Wirkung auf mich hatte. Ich habe meine alte Liebe für das Medium Comic wieder erneuert.

Als ich dann wieder zuhause war, habe ich mich gleich mal im Netz schlaugemacht über die schwedischsprachige Comicszene. Allein in Stockholm gibt es über ein dutzend spezialisierte Comic-Buchhandlungen und darüber hinaus eine extrem umfangreiche Comic-Bibliothek. Ich habe dann erstmal über das Netz eine handvoll Werke bestellt um den ersten Hunger zu stillen und mir aber geschworen sobald wie möglich mal wieder nach Stockholm zu fliegen um die Szene vor Ort auszukundschaften. Im Januar werde ich diese Absicht dann endlich in die Realität umsetzen. Nachdem ich mich dann durch die schwedischsprachige Comicszene durchgewühlt hatte, kam irgendwann die Erkenntnis, dass es ja vermutlich auch interessante deutschsprachige oder englischsprachige Comics geben müßte. Ich habe dann ausgehend von Persepolis mich durch die Empfehlungen von Amazon gegraben. Da waren ohne große Mühen spontan mehr als ein Dutzend interessant erscheinender Werke dabei, die alle fleissig auf meinen Wunschzettel gesetzt habe.

Bei der Amazon-Auswertung ist mir vermutlich irgendwann in einer Rezension oder einem Klappentext erstmals der Begriff Graphic Novel über den Weg gelaufen. Ich war begeistert, nicht nur dass es gute Comics gab, es gab sogar noch einen Wegweiser dafür. Ähnlich wie als ich Anfang der 2000er-Jahre auf den Begriff Indietronics gestoßen bin, der wie ein Türöffner war für eine riesige Welt interessanter indie-elektronischer Musik im Netz und in Magazinen, stand hier nun auf einmal der Begriff Graphic Novel im Raum. Erfreulicherweise gab es sowohl in der deutschsprachigen, als auch in der englischsprachigen Wikipedia einen aussagekräftigen Artikel über den Begriff. Ansonsten findet man leider im Netz unter dem Begriff kaum nützliche Information. Die große Ausnahme bildet ein Weblog welches von einigen kleinen unabhängigen Comic-Verlagen befüttert wird. Das ist dafür aber umso inhaltsreicher und hilfreicher. In unzähligen Postings werden dort akribisch Neuveröffentlichungen und Rezensionen gesammelt. Dort bin ich dann bei meiner Lektüre auf zahlreiche ansprechende Werke gestossen. Außerdem gibt es auch Veranstaltungeshinweise zu Comicbörsen, Comiclesungen und ähnlichem. Einem solchen Hinweis werde ich heute Abend folgen und zur Lesung von Ulli Lusts Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens gehen. Die Autorin wirkt zwar im Video-Interview etwas selbstverliebt, aber die Leseprobe des Buches fand ich durchaus recht schmackhaft.

Zum Schluß noch das was eigentlich überhaupt dieses Posting getriggert hat. Auf Jetzt und beim Tagespiegel gibt es jeweils sehr lesenswerte Rezensionen von Graphic Novels. Die Rezension von Thomas von Steinaecker auf Jetzt ist dabei die kritischere von beiden. Das interessante daran ist, ich war letztens auf einer anderen Comiclesung in Kreuzberg wo der Autor das Buch vorgestellt hat und die Rezension deckt sich ziemlich genau mit meinem Eindruck. Ich finde der Mann hat recht mit seinen Beobachtungen. Ich finde die Beobachtungen aber überhaupt nicht schlimm, weil sie sich zum einen speziell auf die deutsche Comicszene beziehen und zum anderen mein Bedarf an leicht zu lesenden autobiographischen Comic-of-Age-Romanen noch lange nicht gedeckt ist. Wenn ich die Standardwerke der deutschen Comicszene abgegrast habe wird vermutlich irgendwann ein Zustand relativer Sättigung eintreten, aber bis dahin freue ich mich auf unterhaltsame Lektüre.

P.S. Man verzeihe mir etwaige fehlende Worte, Rechtschreib- und Grammatikfehler in diesem Posting, ich habe gerade nicht die Muße den Text korrekturzulesen.

 

the headscarf girls story 09. Oct 2009

Persepolis

Wer sich jenseits von Herrn Sarrazin ein Bild über die Welt der von ihm titulierten “Kopftuchmädchen” machen will, dem empfehle ich einen Blick in Persepolis von Marjane Satrapi. Dort werden mal eben auf zwei Seiten in der Einleitung zweitausend Jahre persische Geschichte abgerissen um dann ohne Umwege direkt in die iranische Kulturrevolution einzusteigen. Die Geschichte wird erzählt aus der Perspektive eines kleines iranischen Mädchens was mitten in den Unruhen aufwächst. Ihre Eltern sind selbst aktiver Teil der Revolution und gehen regelmäßig auf die Straße zum demonstrieren, währenddessen wird an ihrer Schule der Kopftuchzwang eingeführt. Das Mädchen dient durch ihre oftmals vermeintlich naiven Fragen an die Eltern als Medium um die ganze Absurdität und das Grauen des Geschehens zu offenbaren. Der Zeichenstil ist sehr liebevoll und steht dadurch im Kontrast zum oftmals brutalen Geschehen beim Aufeinandertreffen der beiden Fronten.

 

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