inconsequent consuming strategy 13. Feb 2008

Wie ich im November letzten Jahres berichtete haben Johannes und Christophe ein Experiment durchgeführt, bei dem der Käufer eines Tonträgers nach dem Kauf entscheiden konnte, was ihm die Musik wert ist und den entsprechenden Betrag bezahlt hat. Oder eben halt auch nicht.

Gut zwei Dritteln der Menschen hat ihr Album gefallen dennoch haben nur knapp ein Viertel ihren Tonträger bezahlt. In absoluten Zahlen sind das fast zweihundert Menschen, denen das Album gut gefallen hat, die aber dennoch nicht bereit waren für das Album zu bezahlen.

Was hält diese Menschen davon ab den Künstlern ihren wohlverdienten Lohn zukommen zu lassen ? Unwissenheit über Produktionsbedingungen ? Ich denke es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass auch Künstler in normalen Supermärkten einkaufen wo die Lebensmittel Geld kosten (Für die Hinterwäldler gab es sicherheitshalber einen Beipackzettel). Nicht genügend finanzielle Mittel ? Der Betrag war frei wählbar, das Argument zieht hier also nicht. Zu “faul” oder “keine Zeit” sich um die Transaktion zu kümmern ? Im Zeitalter von Online-Banking und Paypal das denkbar unglaubwürdigste Argument.

Es bleibt also die irritierende Observation, dass die Menschen wohlinformiert sein sollten, Zeit und Geld haben und trotzdem nichts überweisen. Vielleicht funktioniert also die Mehrheit der Menschen einfach nur in einem System wo auch ein gewisser Druck ausgeübt wird ? Vielleicht ist deswegen der Kommunismus gescheitert ?

 

style police on the scene 18. Dec 2007

Dieser “100% Kult”-Aufdruck der neuerdings auf diversen Amazon-DVDs prangt geht jawohl garnicht. Er löst bei mir nicht vernachlässigbare Ekelgefühle aus.

 

visionary pricing model 06. Nov 2007

Johannes und Christophe glauben noch an das Gute in der Welt oder zumindest mal an das Gute im 2nd rec-Hörer. Leider besitze ich bereits alle in Frage kommenden Tonträger seit Jahren, ansonsten hätte ich gerne an dieser zukunftsweisenden try-before-you-buy-Aktion teilgenommen. Ich finde das Bezahlmodell übrigens entscheidend besser als das von Radiohead, weil man ja erst nach dem Hören sagen kann, wieviel einem die Musik wert ist.

 

this is not a spam mail 04. Oct 2007

Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir vor kurzem entdeckt haben, dass Kartenhaus Opfer eines rechtswidrigen Angriffs auf seine Internetseite www.kartenhaus.de wurde. Durch diesen Angriff hat ein unbekannter Täter einige Ihrer persönlichen Informationen gestohlen. Wir haben leider Grund zu der Annahme, dass Ihre Kreditkarteninformationen, einschließlich der Rechnungsanschrift für Ihre Karte gestohlen wurden.

Ein guter Grund warum man erstens die Anzahl seiner Onlinegeschäftspartner minimieren und zweitens wenn möglich Paypal benutzen sollte. Bei wurde nichts rechtswidrig abgebucht und eine neue Kreditkarte ist bereits unterwegs. Die Mail ist übrigens prompt im Spamverdacht gelandet und nur weil ich mich darüber gewundert hatte, dass der obligatorische Trojaner fehlt habe ich sie überhaupt erst gelesen.

 

thoughts on music media formats 24. Mar 2007

Moritz hat mit Vinyl versus CD versus Virtuelle Tonträger bei mir einen ziemlichen Nerv getroffen. Der Gedankengang den er beschreibt spielt sich bei mir schon seit Jahren ab. Mal endet es damit, dass ich mir die Compact Disc kaufe, mal das Vinyl und mal - kein Witz - halt eben beides. Digitale Downloads habe ich mir bisher nur in Ausnahmefällen gekauft, also lasse ich die mal außen vor.

Die Compact Disc kaufe ich typischerweise dann, wenn ich genau weiß, dass ich die Musik beim Arbeiten am Laptop oder auf der Straße hören möchte und somit die Musik auf den Rechner bzw. den portablen Musikspieler übertragen muss. Jewel Cases versuche ich dabei wenn es irgendwie geht zu vermeiden und investiere durchaus Zeit darin die limitierte Digipak-Edition oder falls vorhanden die Buch-Edition irgendwo aufzutreiben.

Das Vinyl kaufe ich wenn ich genau weiß, dass die Musik sowieso keine andere Paralleltätigkeit zulässt und ich sie mir typischerweise auf dem Sofa meines Musikzimmers anhören würde. Ich trinke dann vielleicht eine Tasse Tee und gucke mir die Fotos in alten Magazinen an, aber verfolge keine konzentrierte Tätigkeit außer eben halt die Musik zu hören. In so einer Situation empfinde ich das Plattenumdrehen, Staubabwischen und Nadelaufsetzen nicht als lästige Ablenkung sondern als wertvolles Ritual und die visuelle Transparenz des Abspielvorgangs als beruhigende Konstante.

Beide Formate kaufe ich wenn zwar die Bedingungen für einen Compact Disc-Kauf erfüllt wären, aber mir der Künstler sehr am Herzen liegt und ich einfach sicherstellen möchte, dass der Tonträger bei guter Behandlung auch in dreißig Jahren seine musikalischen Schätze noch preisgibt. Dass Compact Discs eine erschreckend geringe Haltbarkeit haben dürfte wohl mittlerweile jedem musikinteressierten Menschen bekannt sein.

Diese Entscheidungslogik wiederum läuft unter drei Prämissen. Erstens: Vinyl manuell digitalisieren als Regelvorgang kommt aufgrund des hohen zeitlichen Aufwands nicht in Frage. Zweitens: Wenn man bereits einen physischen Tonträger erworben hat machen bezahlte Downloads keinen Spaß. Drittens: Sich nach dem legalen Erwerb aus dem Netz unlizensierte Kopien fragwürdiger Qualität herunterzuladen zu müssen um die Musik auf digitalen Abspielgeräten hören zu können ist schlichtweg erniedrigend.

Was ist die Lösung dieses Dilemmas ? Wie Swen Swift von 12rec in den Kommentaren des Phlow-Artikels korrekterweise anmerkt gibt es mit Sub Pop bereits ein Label welches konsumentenfreundlich das beste aus beiden Welten vereint. Beim Kauf des Vinyls des aktuellen Shins Albums Wincing the Night Away befindet sich in der Innenseite ein Gutschein-Code mit dem sich der Käufer von der Website des Labels die digitale Version herunterladen kann. Es mag sein, dass die Qualität der von Sub Pop zur Verfügung gestellten digitalen Audiodaten derzeit nicht audiophilen Ansprüchen genügt, aber für die meisten Musikhörer dürfte die 192 kBit/s MP3-Qualität hinreichend gut sein. Um die Mehrkosten für die Datenübertragung zu decken darf das Vinyl darüber hinaus für mein Empfinden ruhig ein paar Cent mehr Kosten.

Am einfachsten für die Labels wäre es wohl wenn Bleep, Boomkat und Kompakt die Gratisdownloads für Vinylkäufer anbieten würden, dann müßte nicht jeder Labelbetreiber sein eigenes System implementieren, den eventuell erwünschten Promotioneffekt des Besuchs der Labelseite dabei mal außen vor gelassen. Gegen einen kleinen Aufpreis könnten die Daten dann ja dort auch problemlos als FLAC, Apple Lossless oder in einem anderem verlustfreihen Format angeboten werden, bei ausgewählten Bleep-Downloads ist dies ja bereits jetzt schon der Fall.

Also liebe Labelbetreiber, nehmt euch doch ein Vorbild an den Jungs aus Seattle und bietet euren Vinyl-Kunden in Zukunft ebenfalls einen Gratisdownload des Albums in einem möglichst hochwertigen digitalen Format an!

 

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