i really like my part of town 12. Aug 2010
Im Prenzlauer Berg gibt es seit März diesen Jahres ein neues vegetarisches Bio-Fast-Food-Restaurant namens Vego Foodworld welches nur wenige hundert Meter von meiner Wohnung entfernt ist. Es war mir bisher nicht aufgefallen, weil es nicht auf meinen üblichen Routen liegt. Ich habe es heute mal einem spontanen Test unterzogen und war sehr angetan. Der Burger den ich gegessen habe war nicht zu fettig, schmeckte frisch und war geschmacklich ausdifferenziert. Aufgrund der Website würde man vielleicht einen sterilen Mitteladen erwarten, die Atmosphäre ist aber im Gegenteil sehr persönlich.
Die andere Sache, welche ich gerade auf einem Aushang entdeckt habe ist ein Online-Supermarkt namens Zimmerservice, der seine Firmenzentrale ebenfalls nur einen Steinwurf weit entfernt von meiner Wohnung hat. Das Layout der Seite ist erfrischend, die Preise sind fair, es gibt auch gekühlte und frische Waren sowie Bioprodukte, man kann sich ein zwei Stunden-Lieferfenster zwischen 6 und 24 Uhr aussuchen und ab fünfzig Euro wird versandkostenfrei geliefert. So wie ich mir das Amazon-Angebot eigentlich vorgestellt hatte.
why i eat more meat than i want to 10. Aug 2010
Ich esse Fleisch. Nicht besonders viel, aber mehr als eigentlich sein müßte. Ich fühle mich deswegen nicht schlecht oder gar schuldig, aber es kommt mir aus den hinlänglich bekannten Gründen nicht sinnvoll vor.
Ich stamme aus einem Haushalt wo fast ausnahmslos bei jedem Essen ein großes Stück Fleisch auf dem Teller liegt und wenn es da nicht ist, erkundigt sich das Familienoberhaupt wo es denn abgelieben sei. Fleisch und Kartoffeln sind der wesentliche Bestandteil der Mahlzeit und Gemüse hat den Status einer Beilage. Trotz dieser Herkunft ist eine vegetarische Mahlzeit für mich eine vollwertige Mahlzeit.
Das Thema der vegetarischen Ernährung hängt für mich unmittelbar mit der Frage zusammen wo man sich ernährt. Ich bereite mir zuhause nur selten Nahrung zu. Ich mache mir jeden Morgen Müsli aus einer Körnermischung, Joghurt und wechselnden frischen Früchten und gelegentlich schneide ich mir eine Salatgurke oder anderes Gemüse auf um mir ein saftiges Brötchen zu belegen, aber ganz wesentliche Teil mehr Ernährung findet außer Haus statt.
Im Prenzlauer Berg bekommt man vielerorts für zwei bis drei Euro eine leckere Mahlzeit. Wenn ich selber Kochen würde, dann würde das in allermeisten Fällen vermutlich teuerer sein. Natürlich gibt es einige Grundnahrungsmittel die extrem günstig sind wie Kartoffeln oder Karotten, aber ersten braucht man zum Kochen ja beispielsweise auch noch Gewürze und frische Kräuter und zweitens habe ich keine Lust fünf Kilogramm Kartoffelsalat zu machen und mich dann die nächsten drei Wochen davon zu ernähren nur weil das besonders kostengünstig wäre.
Neben dem preislichen ist dann natürlich noch der praktische Vorteil. Ich muss mir nicht überlegen, was ich kochen will, ich muss keinen Einkaufszettel schreiben, ich muss nicht einkaufen, ich muss nicht kochen, ich muss nicht abspülen und ich muss nicht die Küche saubermachen. Wenn man im näheren Umkreis mehr als ein dutzend attraktive Lokale hat, dann ist Außerhausessen also ganz klar die effizientere Lösung.
Das heißt nicht, dass mir Kochen keine Freude bereiten würde. Als gesellschaftliches Ereignis weiß ich die Nahrungszubereitung durchaus zu schätzen. Egal ob mit einem Freund oder meinem Mitbewohner, hin und wieder bin auch ich in der Küche zugange. Es ist ein wenig wie beim Filmgucken. Die gemeinsame Auswahl des Films, die gemeinsame Rezeption und die gemeinsame Reflektion bereichern für mich den Konsum ganz wesentlich. Natürlich gucke ich auch mal alleine einen Film, aber das kommt genauso wie beim Kochen nur äußerst selten vor.
Auch wenn die Auswahl an attraktiven gastronomischen Einrichtungen in meinem Viertel recht hoch ist, so ergiebt sich dennoch das Problem, dass die Auswahl an leckerem vegetarischem Essen deutlich geringer ist, was dazu führt, dass ich häufiger Fleisch esse, als ich eigentlich möchte. Das einzige Lokal was eine mit den Fleischgerichten vergleichbare Qualität bei vegetarischen Gerichten bietet, ist ein veganer Imbiss und der ist fast doppelt so teuer wie der Rest. Das führt dann perverserweise dazu, dass ich es mir nur einmal die Woche leisten kann ein leckeres vegetarisches Gericht zu essen, der Sonntagsbraten besteht bei mir also aus Soja.
Mein Resumé ist also völlig offensichtlich. Solange es ein Luxusgut ist sich vegetarisch zu ernähren wird das nichts mit der Reduktion des Fleischverzehrs in Deutschland!
open source disenchantment 15. Jan 2008
Nach einer anfänglichen Euphorie für das Konzept von Open Source Food ist bei mir nun eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Von den leckeren Fotos angeregt, habe ich mal einige Rezepte nachgekocht, aber so richtig der Brüller war bisher nicht dabei. Was mich insbesondere stört ist, dass das Bewertungssystem kaum ernsthaft verwendet wird, da bei fast allen Rezepten die Maximalwertung vergeben wird. Außerdem dreht es sich bei den Kommentaren unter den Rezepten oftmals mehr um die Fotos der Rezepte, als um die Rezepte selber. Ich denke ich werde mich für meinen Rezeptebedarf bis auf weiteres wieder beim biederen webeinsnulligen Chefkoch umschauen, dort gibt es nämlich ein feiner aufgelöstes Bewertungssystem und die Kommentare bei den Rezepten sind meistens zahlreich und hilfreich.