feminists as scapegoat for obesity 25. Sep 2010

Die bahnbrechende These des Tages kommt heute aus England: Feminstinnen sind Schuld an der Verfettung der Gesellschaft, weil sie das Kochen als patriarchalischen Frondienst stigmatisiert haben. Das ist für sich genommen natürlich schon großes Kino, aber vor allem eine prima Vorlage für weitere Schüsse. Durch geschickte Argumentation kann man den Feministinnen bestimmt noch alles mögliche in die Schuhe schieben. Als rhetorische Einstiegsübung empfehle ich die Kinderlosigkeit, Fortgeschrittene können sich danach gerne auch an der Atommüllendlagerung oder dem Nahost-Konflikt versuchen.

 

anti-feminism is not sexism 17. Apr 2010

Nachdem auf der Republica-Veranstaltung über Sexismus im Internet eine handvoll Trolle im Chat randaliert haben hat dies Gudrun Debus dazu verleitet dies als Beleg für einen weit verbreiteten Sexismus von Männern gegen Frauen im Internet zu interpretieren. Ich halte diese Schlußfolgerung wenig überzeugend. Wesentlich plausibler erscheint mir aus eigener Erfahrung die These von Till Westermayer in den Kommentaren bei Antje Schrupp:

Ich meine, dass Trolle bei bestimmten Inhalten häufiger auftauchen als bei anderen. Feministische Inhalte sind so ein Thema, bei dem sehr stark getrollt wird (starke maskulistische Präsenz in der Netzanonymität, Angst vor Emanzen, usw.). Der Eindruck, dass Blogs von Frauen häufiger von Trollen besucht werden als andere, scheint mir daher zu kommen, dass hier häufiger feministische Inhalte stehen – hat aber, und das war eigentlich mein Punkt, nichts mit unterschiedlichen, Frauen bzw. Männern zuzurechnenden Blogstilen zu tun. Auch wenn Männer über feministische Inhalte bloggen (sehr schön zu sehen an der Kommentierung des grünen “Männermanifests” in diversen Blogs und Foren), tauchen diese Trolle auf.

Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass eine Frau die in ihrem Weblog über Fotografie, Ökologische Landwirtschaft und Briefmarken schreibt mit mehr Trollen zu kämpfen hat als ein Mann mit demselben Themenspektrum. Ich denke es gibt einfach gewisse Themen die meistens aus dem Bereich der Politik oder Religion kommen, die bei Menschen starke Emotionen auslösen. Beispiele sind etwa Islamismus, Rechtsradikalismus, Sozialpolitik oder eben Feminismus. Die bei der Lektüre hervorgerufene emotionale Erregung in Kombination mit der Anonymität des Internets verleitet manche Menschen dann dazu sich ungebührlich zu verhalten. Ich halte ein offenes Chat-System wie bei der Republica bei diesen Themen für absolut ungeeignet. Die wichtigsten beiden Elemente für einen konstruktiven Diskurs dieser Themen sind meines Erachtens eine Funktion zum melden von anstößigen Beiträgen und das Vorhandensein von Moderatoren.

 

who needs gender discussion? 15. Jun 2009

Komischerweise habe ich in meinem gesamten Leben noch nie eine Frau kennengelernt, die sich in irgendeiner Weise darüber geäußert hätte, dass ihre Karriere aufgrund ihres Geschlechts in irgendeiner Art und Weise beeinflußt worden wäre. Das soll nicht heißen, dass es nicht Fälle gäbe, wo das nicht tatsächlich der Fall ist, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne, aber mir scheint diese gesamte Gleichberechtigungsdebatte heutzutage überflüssig wie Bauchweh.

Das prototypische Beispiel dafür ist meine kleine Nichte. Die hat trotz sehr guter Noten schon mit sieben Jahren eine mittelstarke Aversion gegenüber Mathematik. Kein Mensch kann sich diese plötzliche unnatürliche Abneigung erklären, aber sie ist da und wenn sich nicht ein Wunder ereignet, dann wird das auch aufgrund des stark aufbauenden Charakters des Faches auch so bleiben. Das wiederum wird ihr wahrscheinlich den Weg verbauen sich in der Oberstufe in Physik und Informatik zu engagieren und letztlich womöglich auch davon abhalten ein mathematisch-technisches Studium aufzunehmen. Wohin das führt ist ja hinlänglich bekannt. Die Frauenquoten in mathematisch-technischen Studiengängen sind meines Wissens seit Jahrzehnten in etwa gleich niedrig, in bestimmten Bereichen sogar im niedrigen einstelligen Bereich. Letztlich sind solide mathematische Kenntnissse in jederlei Hinsicht eine wichtige Grundlage für Erfolge in diesem Bereich.

Wenn ich jedoch in meinen erweiterten Freunde- und Bekanntenkreis schaue, dann treffe ich bei Frauen im Zusammenhang mit Mathematik primär auf zwei Emotionen: Angst und Abscheu. Das bedeutet mitnichten, dass die Männer alle mathematische Genies wären, aber es gibt da nicht diese enorme psychische Barriere. Letztlich geht dann jeder seinen Neigungen nach und am Schluß arbeitet der Mann als Physiker und die Frau als Bibliothekarin.

Ich wage zu beweifeln, dass die Lehrerin, die Schüler, meine Schwester oder mein Schwager gegenüber meiner Nichte propagieren: “Mathematik ist nur für Jungs, mach mal deine Kunst und deine Sprachen, dass ist besser für dich”. Die hat sich nach meinem Eindruck aus freien Stücken gegen die Mathematik entschieden.

Komischerweise habe ich übrigens noch nie einen “Erfolgsbericht” darüber gelesen, dass in einem Bereich in dem traditionell Frauen angesiedelt sind, mehr Männer Einzug gehalten hätten. Diese ganze Gleichberechtigungsdiskussion verläuft also immer nur einseitig. Männerförderung in Sozialwesen? Fehlanzeige. Eine Googlesuche offenbahrt die Abgründe. Frauenförderung liefert 239.000 Ergebnisse und Männerförderung 1.460 Ergebnisse.

Ich denke die Gleichberechtigungsdiskussion in den 60ern und 70ern war durchaus sinnvoll, aber das Thema hat sich meines Erachtens mittlerweile einfach totgelaufen. Wer heutzutage als Frau etwas erreichen will, der kann das auch. Ich kenne niemanden der Frauen aktiv an ihrer Karriere hindert, weil er der Meinung wäre, dass Frauen geschlechtsbedingt schlechter wären in einem Bereich. Der einzige Bereich wo vermutlich noch Frauen aktiv diskriminiert werden ist auf dem Bau. Dort arbeiten traditionell oft eher einfache Männer und da werden bestimt auch derbe Sprüche gedrückt, was vermutlich eine abschreckende Wirkung auf Frauen hat. Mir fällt aber ansonsten kein weiterer Bereich wo sowas an der Tagesordnung wäre.

Was zählt ist nicht das Geschlecht, sondern die Fertigkeiten und der Charakter.