spotify to the rescue 06. Feb 2010
Eine staatlich organisierte Kulturflatrate will der VUT nicht, er könnte sich aber vorstellen, selbst eine zentrale Musikbibliothek einzurichten, in die alle UrheberInnen ihre Musik einstellen und auf die NutzerInnen dann gegen eine monatliche Abgabe oder sogar kostenlos auf Musik frei zugreifen könnten. Auf legalem und komfortablen Wege. Vorbild hierfür: Spotify aus Schweden. Das sei ein wirklicher Kompromiss für User und MusikerInnen. (Quelle: Taz)
Theoretisch wäre Spotify die perfekte Lösung für die ganze Diskussion um Urheberrechte und illegale Downloads, leider befindet sich der durchschnittliche Labelmanager offensichtlich geistig noch im vergangenen Jahrhundert, es gibt nämlich - man mag es kaum glauben - in jedem Land ein individuelles Musikangebot, wobei das Problem verstärkt zutage tritt wenn man nach landessprachlichen Inhalten sucht. Wer also gerne sowohl deutschprachige als auch französischsprachige und schwedisch-sprachige Musik hört, der schaut bei Spotify tendenziell in die Röhre. Der Standort legt fest auf welche Musik er Zugriff hat. Willkommen in der Kleinstaaterei! Das ganze Ausmaß der Absurdität offenbart sich einem beim Anblick der Spotify-FAQ.
In the copyright jungle, music rights are often divided among many different right holders in different geographical territories. That is, an artist may have licensed his or her music worldwide, except for UK, using a large record label that we have an agreement with. However, the artist may have licensed his or her music to a small label in UK that we do not have an agreement with, resulting in that Spotify has the music in all countries except UK until we have signed with that specific label
Die Spotify-Jungs sind aber dennoch frohen Mutes, dass sie die Labelmanager noch auf den rechten Pfad der Tugend bringen können.
We’re constantly trying to get our content providers to diverge from these types of territorial restrictions and hope to have all music available in all countries.
Besonders albern wird es dann wenn ein Bürger eines Landes für längere Zeit ins Ausland geht. Zumindest für die Gratiskonten ist nicht vorgesehen für länger als zwei Wochen im Ausland zu sein, danach muss man sich erstmal wieder im Heimatland einloggen, damit man weiterhören kann. Das führt dann dazu, dass die ganzen Berlinschweden alle zwei Wochen jemanden anstupsen müssen, sich mal kurz mit ihren Benutzerdaten bei Spotify einzuloggen, damit sie wieder weiter Musik hören können.
Ich habe mal spaßeshalber mit dem Benutzerkonto einer Freundin eine kleine Bestandsaufnahme des aktuellen Sortiments gemacht. Von Ausnahmen abgesehen waren Morr Music, City Centre Offices und Karaoke Kalk sehr gut vertreten, ansonsten war die Ausbeute sehr durchwachsen. Hier eine kleine Übersicht, wobei + bedeutet alle oder fast alle Alben vorhanden, o bedeutet zumindest ein Teil der Alben war vorhanden und - bedeutet kein einziges Album war vorhanden (aber vielleicht einzelne Tracks von Kompilationen). Die Auswahl ist natürlich vollkommen willkürlich.
Styrofoam + Lali Puna + Múm o Ms. John Soda + The Go Find + Masha Qrella + Benjamin Gibbard o Contriva + Seabear + The Wooden Birds + Electric President o Arovane + Christian Kleine + Dictaphone + Xela + Dub Tractor + Ulrich Schnauss - Swod + Donna Regina o Hauschka + Takagi Masakatsu + Wechsel Garland + Kuchen + März - Hausmeister + Club 8 o Douglas Heart o Laurel Music o Frida Hyvönen + Säkert! + Hello Saferide + Raymond & Maria + Anna Järvinen + PeterLicht + Die Aeronauten o Die Sterne o Tilman Rossmy + Chris Garneau - Trentemøller o Pipas o The Submarines + Slowblow - Piana + Emilian Torrini +
Das gestern erschienene neue Album von The Go Find sucht man indes leider vergeblich. Der brave Spotify-Nutzer ist also nicht nur im Nachteil gegenüber den Albumleak-Downloadern, er ist ebenso im Nachteil gegenüber den Albumkäufern. Die Zukunft der Musikindustrie habe ich mir irgendwie sexyer vorgestellt.
losing means winning 20. Apr 2009
Die Haftstrafe und Schadensersatzforderung gegen die vier Gründer Frederik Neij, Gottfrid Svartholm Warg, Peter Sunde Kolmsioppi und Carl Lundström dient auch als PR für die politischen Bemühungen der schwedischen Piratenpartei, die sich für Informationsfreiheit und Datenschutz einsetzt. “Das Urteil ist für uns die Fahrkarte ins EU-Parlament”, gab sich der stellvertretende Vorsitzende, Christian Engström, ungeachtet des harten Urteils euphorisch. Dass diese Aussage nicht nur heiße Luft enthält, beweisen folgende Zahlen: Die am 1. Januar gegründete Piratenpartei stellt mit über 25.000 Mitgliedern die viertgrößte Partei Schwedens. Womöglich reichen wenig mehr als 100.000 Stimmen für ein Sitz im EU-Parlament. (Quelle: Laut.de)
temporary glitch 17. Apr 2009
But as in all good movies, the heroes lose in the beginning but have an epic victory in the end anyhow. That’s the only thing hollywood ever taught us. (Quelle: The Pirate Bay Team)
victory for transparency 03. Mar 2009
Die 1800 Geräte, an denen bei der Bundestagswahl 2005 rund zwei Millionen Bürger ihre Stimmen abgegeben haben, widersprechen dem Grundsatz der Öffentlichkeit der Wahl, heißt es in dem Urteil des Verfassungsgerichts vom Dienstag. Damit wird der Einsatz solcher in Deutschland seit zehn Jahren verwendeten Wahlmaschinen faktisch beendet. (Quelle: Zeit)
Wenn das mal keine guten Nachrichten sind um einen Tag zu beginnen. Wenn jetzt noch der zu erwartende Freispruch im Pirate Bay-Prozess vollkündet wird, dann ist die Woche schon gewonnen.
the pirate bay trial 13. Feb 2009
Am kommenden Montag beginnt das für das Internet wohl bedeutendste Gerichtsverfahren dieses Jahres. In einem dreiwöchigen Prozess soll die Frage geklärt werden, ob der schwedische Torrent-Tracker The Pirate Bay nach nationalem Recht legal ist oder nicht. Die Anklage wird erwartungsgemäß vertreten durch Musik- und Filmkonzerne und den Staatsanwalt und auf der Anklagebank sitzen naturgemäß die Betreiber des Dienstes. Es ist nicht zu erwarten, dass ein negatives Prozessurteil den freien Datenaustausch im Internet nachhaltig stört, da das Internet bekanntlich nach dem Prinzip der Hydra funktioniert, dennoch erwarte ich das Prozessurteil mit Spannung, da The Pirate Bay wohl der einzige Torrent-Tracker mit politischen Engagement sein dürfte und sich dadurch nicht unerhebliche Sympathien auch jenseits von Nördkreisen eingeholt hat.
Für schwedischsprechende bietet sich die Möglichkeit das Verfahren im Internet zu verfolgen. Die komplette Verhandlung wird via 24 Direkt in Echtzeit als Audiostream zur Verfügung gestellt. Da die Angebote des Schwedischen Fernsehens meiner Erfahrung nach nicht national beschränkt sind und ich auch diesbezüglich nichts abschlägiges gelesen habe gehe ich mal davon aus, dass der Stream weltweit abrufbar sein wird. Die Gerichtsverhandlung läuft Werktags von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr und ganz im Sinne der Transparenz sind der Verlaufsplan des Prozesses sowie die Anklageschrift frei verfügbar.
Letztlich wird sich bei diesem Prozess zeigen inwiefern die schwedische Gerichte die geltenden Gesetze ihres Landes gegenüber ausländischen Konzernlobbyisten vertreten können. Wer die Jungs von The Pirate Bay unterstützen möchte und auf schwarze Oberbekleidung steht, der kann im Merchandise-Laden einkaufen. Eine Möglichkeit direkt Geld zu spenden scheint indes leider nicht zu existieren.
Ich denke ich werde mir bei der Verhandlung im wesentlichen das Verhör und das Plädoyer der Angeklagten am 19. Februar bzw. 3. März anhören. Was von Seiten der Unterhaltungsindustrie zu erwarten ist, dürfte ja hinlänglich bekannt sein. Was den Verständnisgrad des Gesprochenen angeht, mache ich mir wenig Illusionen. Ich denke das ich realistisch betrachtet weniger als die Hälfte der Worte verstehen werde. Alleine die juristischen Fachbegriffe sollten ausreichen um mich hinreichend zu verwirren.
Nachtrag: Nach Ansicht eines niederländischen Wissenschaftlers der TU Delft könnte es im unwahrscheinlichen Fall einer Schließung von The Pirate Bay zu einer ernsthaften Störung des öffentlichen Bittorent-Netzwerks kommen.
Der Wissenschaftler sammelte die Daten von 283.032 Torrents und den damit verbundenen 52.634.797 Peers (Bittorrent-Clients). Bei über der Hälfte aller Torrents arbeiteten Pirate-Bay-Server in Schweden als Tracker. Gut 5 Millionen Peers nutzen nur Pirate Bay, der Rest arbeitet immerhin mit weiteren Trackern. Diese Dominanz des immer wieder von der Medienindustrie und Rechteinhabern angegriffenen Trackers könnte nach Ansicht von Vliegendhart zu einem Zusammenbruch der gesamten Tracker-Infrastruktur führen: Fallen die schwedischen Server aus, wechseln die Peers auf die anderen Tracker, was diese überlasten könnte und schließlich zu einem Zusammenbruch des gesamten Bittorrent-Netzes führen kann. (Quelle: Heise)
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