late-night psychoanalysis 06. Jun 2011

Ich kann lachen, ich kann trauern, ich kann verlangen spüren, ich kann mich freuen, ich kann mich ärgern, ich kann vertrauen, ich kann lieben, ich kann hassen, ich kann mich schämen, ich kann mich ängstigen, ich kann Mitleid empfinden, ich kenne Eifersucht, Arroganz und Gier und sogar das Gefühl eines gebrochenen Herzens ist mir nicht fremd. Insgesamt ist meine emotionale Erlebnisfähigkeit ziemlich umfassend. Zwei Gefühle sind mir jedoch gänzlich Fremd: Stolz und Neid. Ich bin tatsächlich auf nichts Stolz und beneide Niemanden.

Während ich Neid als Verwandte der Eifersucht zumindest noch theoretisch nachvollziehen kann, kann ich mit Stolz überhaupt nichts anfangen. Wenn jemand etwas erreicht dann gibt es zwei Parameter für das Gelingen: Anlage und Umwelt. Die Anlage geben einem die Eltern mit und die Umwelt bekommt man von unserem Planeten zur Verfügung gestellt. Worauf soll man da denn bitteschön Stolz sein? Ich kenne nach einer großen Leistung das Gefühl von Freude, Erleichterung und Dankbarkeit, aber Stolz bin ich wirklich noch nie gewesen.

Ich vermute meine Unfähigkeit Stolz zu empfinden ist zumindest teilweise dafür verantwortlich, dass mir auch das Konzept der Selbstsicherheit weitesgehend fremd ist. Den meisten Menschen ist ihre Selbstsicherheit aber scheinbar recht wichtig. Das ist letztlich nicht weiter verwunderlich, da unser Gesellschaftssystem Menschen mit einer hohen Selbstsicherheit belohnt. Das kann man schön an Ratgebern mit so illustren Titeln wie “Selbstsicher - so überzeugen sie in jeder Situation”, “Lässige Selbstsicherheit im Büro”, “Selbstbewusst! So setzen Sie sich durch und wehren Angriffe ab”. Insbesondere der letzte Titel verdeutlicht wohin eine Gesellschaft führt, in der ein hohes Maß an Selbstsicherheit als erstrebenswert gilt.

Ich denke von allen Charaktereigenschaften die es gibt ist die Selbstsicherheit die wichtigste um zu entscheiden ob mir ein Mensch sympathisch ist. Je weniger er hat, desto sympathischer ist er mir. Ich vermute jetzt erschließen sich dem geneigten Leser auch meine regelmäßigen Hasstiraden gegen die Consulting-Fuzzis, denn diese sind mit ihrer exorbitant aufgeblasenen Selbstsicherheit gewissermaßen der Gegenpol zu mir.

Während ich mich durchaus auch ohne stark ausgeprägte Selbstsicherheit sehr wohl fühle, ist das Leben unter solchen Vorraussetzungen in der maskulinen deutschen Gesellschaft leider kein Zuckerschlecken. Ich habe mir unterbewußt relativ früh gewisse Mechanismen aneigenen müssen um meine gering ausgeprägte Selbstsicherheit vor meiner Umwelt zu verstecken. Menschen mit viel Selbstsicherheit können nämlich nicht mit Menschen mit wenig Selbstsicherheit umgehen. Menschen mit viel Selbstsicherheit haben oft einen unerträglichen Hang zur Dominanz oder gar Sadismus und Menschen mit wenig Selbstwertsicherheit sind aus ihrer Perspektive die perfekten Opfer um ihre niederen Triebe auszuleben.

Ein Abwehrmechanismus der sehr gut funktioniert und sich auch relativ hoher Beliebtheit erfreut ist Arroganz. Leider zerfrisst Arroganz die Seele und ist deswegen auf Dauer nicht empfehlenswert. Anfangs etwas schmerzhaft aber langfristig sinnvoller ist Sanftmut und Ehrlichkeit. Das lustige dabei ist, dass die Menschen mit der größten Fresse oft ganz sprachlos werden wenn man ihnen beispielsweise in aller Seelenruhe von seinen eigenen Schwächen erzählt. Man widerspricht ihrer Erwartungshaltung bzw. den gesellschaftlichen Spielregeln, dass man sich als geilen Hecht darstellen soll und somit sind sie erstmal verwirrt. Eine andere Möglichkeit ist die des Schauspiels. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt täuschend echt Selbstsicherheit vorzuspielen. Die Erfolgsquote im Sinne einer erfolgreichen Kommunikation liegt praktisch bei hundert Prozent. Leider ist diese Form der Selbstverleugnung auf Dauer sehr anstrengend, deswegen versuche ich sie eher zu meiden. Die beste Strategie für ein glückliches Leben ist letztlich einfach den Kontakt mit Menschen mit hoher Selbstsicherheit zu meiden.

 

it's all about deepness 05. Jun 2011

Meine Vorliebe für Vieraugengespräche dürfte im wesentlichen auf dem damit oft einhergehenden Flow-Zustand beruhen. Meine Vorliebe für die Nacht lässt sich vermutlich ebenfalls dadurch erklären. Meine Begeisterung für das Arbeiten mit dem Rechner ebenso. Letztlich geht es doch immer nur um das eine, dem Verlassen von Raum und Zeit.

 

perfect capitalist with a robot mind 26. May 2011

Das traurige an so Fällen wie Gerald Hörhan ist die Kombination aus hoher Intelligenz und Semi-Reflektiertheit. Diese Menschen sind zwar schlau genug ihre Mitmenschen zu durchschauen und sie nach Belieben für ihre Zwecke zu manipulieren, aber sie sind außerstande zu erkennen, dass sie trotz ihres großen Erfolges im kapitalistischen System letztlich doch nur die Getriebenen ihres eigenen Minderwertigkeitskomplexes sind. Vielleicht würde es Herrn Hörhan helfen seine psychischen Probleme zu therapieren, wenn er mal eine zeitlang eine karikative Tätigkeit ausüben würde? Ich denke da an sowas wie Behinderte betreuen oder in einem Hospiz arbeiten, das würde ihm vielleicht ermöglichen sich von seiner bemitleidenswerten Existenz als menschliche Hülle zu emanzipieren und einen Zugang zu seiner emotionalen Seite zu entdecken.

 

beware of hyperactive girlies 19. May 2011

Die Kombination aus stark redundanter Interpunktion, exzessivem Emoticon-Gebrauch und geballten orthographischen Mängeln lies bei mir arge Zweifel bezüglich ihrer Eignung aufkommen. Man möge dies als intolerant empfinden, aber mit Menschen denen die Natur stets eine Linie Koks für den Tag mitgibt, komme ich einfach generell ganz schlecht klar. Allein schon der Gedanke an allmorgendliche Redeschwalle macht mich ganz benommen.

 

hey girls, that's not how this works! 11. May 2011

Gerade als er Vertrauen gefasst hatte, verschwand sie spurlos.

 

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