anti-feminism is not sexism 17. Apr 2010
Nachdem auf der Republica-Veranstaltung über Sexismus im Internet eine handvoll Trolle im Chat randaliert haben hat dies Gudrun Debus dazu verleitet dies als Beleg für einen weit verbreiteten Sexismus von Männern gegen Frauen im Internet zu interpretieren. Ich halte diese Schlußfolgerung wenig überzeugend. Wesentlich plausibler erscheint mir aus eigener Erfahrung die These von Till Westermayer in den Kommentaren bei Antje Schrupp:
Ich meine, dass Trolle bei bestimmten Inhalten häufiger auftauchen als bei anderen. Feministische Inhalte sind so ein Thema, bei dem sehr stark getrollt wird (starke maskulistische Präsenz in der Netzanonymität, Angst vor Emanzen, usw.). Der Eindruck, dass Blogs von Frauen häufiger von Trollen besucht werden als andere, scheint mir daher zu kommen, dass hier häufiger feministische Inhalte stehen – hat aber, und das war eigentlich mein Punkt, nichts mit unterschiedlichen, Frauen bzw. Männern zuzurechnenden Blogstilen zu tun. Auch wenn Männer über feministische Inhalte bloggen (sehr schön zu sehen an der Kommentierung des grünen “Männermanifests” in diversen Blogs und Foren), tauchen diese Trolle auf.
Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass eine Frau die in ihrem Weblog über Fotografie, Ökologische Landwirtschaft und Briefmarken schreibt mit mehr Trollen zu kämpfen hat als ein Mann mit demselben Themenspektrum. Ich denke es gibt einfach gewisse Themen die meistens aus dem Bereich der Politik oder Religion kommen, die bei Menschen starke Emotionen auslösen. Beispiele sind etwa Islamismus, Rechtsradikalismus, Sozialpolitik oder eben Feminismus. Die bei der Lektüre hervorgerufene emotionale Erregung in Kombination mit der Anonymität des Internets verleitet manche Menschen dann dazu sich ungebührlich zu verhalten. Ich halte ein offenes Chat-System wie bei der Republica bei diesen Themen für absolut ungeeignet. Die wichtigsten beiden Elemente für einen konstruktiven Diskurs dieser Themen sind meines Erachtens eine Funktion zum melden von anstößigen Beiträgen und das Vorhandensein von Moderatoren.
ridiculous fraunhofer linking policy 15. Apr 2010
Es ist jetzt schon vier Jahre her, dass Andreas bei den Hard Bloggin’ Scientists über die lächerliche Linking Policy des Fraunhofer Instituts berichtet hat. Wie ich soeben erfahren durfte, hat das Fraunhofer Institut leider auch im Jahr 2010 immer noch nicht verstanden wie das Internet funktioniert. Ich denke die Initiatoren dieser Linking Policy dürften sich dabei sehr wohl bewußt sein, dass es sich hierbei ganz offensichtlich um einen Papiertiger handelt, da ihre Forderung in Anbetracht der in Deutschland eindeutigen rechtliche Situation jeglicher Grundlage entbehrt. Wo liegt also die Motivation für das hartnäckige Beharren auf diesen albernen Forderungen und warum blamierte sich ausgerechnet eine renommierte deutsche Forschungsinstitution mit so einem Quatsch?
hedonism was yesterday 15. Apr 2010
Ich glaube und hoffe, dass das Jahr 2009 als die Geburtsstunde einer neuen Bürgerbewegung gelten wird, die die Chancen des Übermediums Internet auch nutzt. Die Verabschiedung des “Zugangserschwerungsgesetzes” im Bundestag, aber auch Begriffe wie ”Killerspiele” und der Kampf gegen die vermeintlichen ”Kostenloskultur des Internet” zeigen, wie wenig die politische und wirtschaftliche Führungsschicht das Internet und die digitale Kultur bisher verstanden haben. Und es zeigt, wie dringend es nötig ist, dass netzaffine Menschen sich stärker in die aktuellen Diskussionen einmischen um für Verständnis zu werben und für die eigenen Ziele zu kämpfen. Wenn ich zum Beispiel im Wahlprogramm der CDU das Internet nur als Gefahr und nie als Chance erwähnt finde, dann ist dies ein Zeichen für mich, dass wir uns dringend einmischen müssen. (Quelle: Max Winde von Spreeblick im Interview auf Macmagazin)
Ich würde die ersten Wurzeln für den Widerstand in der Bevölkerung sogar schon Mitte der Nullerjahre verorten. Nachdem im Loveparade-Zeitalter der Neunziger Jahre und noch bis in die Nuller Jahre hinein die Menschen die Welt eher aus der Spaßperspektive betrachtet haben etabliert sich nun seit einigen Jahren erfreulicherweise wieder eine kritische Grundhaltung. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft werden von einer wachsenden Menge an Menschen jenseits der üblichen Verdächtigen kritisiert. Ich würde zwar nicht so weit gehen und den Bürger als verarschungsresistent zu titulieren, aber eine positive Tendenz läßt sich meines Erachtens auf jeden Fall beobachten. Ich denke dieses grundlegende Bewußtsein in nennenswerten Teilen der Bevölkerung bietet enormes Potential um Wirtschaft und Politik zu beeinflußen. Selbst wenn nur eine Minderheit der Bevölkerung seine Macht als Bürger und Konsument nutzt um Firmen und Politikern klar zu machen, dass sie sich eben nicht verarschen lassen, dann dürfte die Wirkung dennoch enorm sein. Die 134.000 Unterzeichner der Petition gegen Netzsperren sind nur der Anfang eines neuen Zeitalters. Ich merke beispielsweise, dass viele unnerdige Freunde und Bekannte bei denen ich vor zehn Jahren mit Themen wie Datenschutz und Privatsphäre noch auf taube Ohren gestoßen bin jetzt teilweise striktere Haltungen haben, als ich selbst. Dasselbe gilt für den Kauf nachhaltiger Produkte. Während die dies früher nur ein Thema für Nischenökos war gehört es heute in einer breiten Masse beim Konsum zum guten Ton auf Nachhaltigkeit zu achten. Gerade vor zwei Tagen hat beispielsweise im Nachbarhaus bei mir ein Laden aufgemacht mit einem vielfältigen Sortiment an directrecycelten Produkten. Sicher wird es immer die Leute geben, die nur ihr Feierabendbier trinken und die Bundesliga glotzen wollen und denen ansonsten alles scheißegal ist, aber ich denke selbst wenn nur ein Drittel der deutschen Bevölkerung eine aktive kritische Haltung entwickelt, dann reicht das um positive Veränderung zu bewirken. Ich denke diese Einschätzung ist nicht optimistisch sondern durchaus realistisch.
zensursula on speed 05. Apr 2010
Frau von der Leyen und Frau Malmström sind ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem Wahnsinn der Deutschland im Rahmen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags ins Haus steht. Wie wäre es denn wenn die Herren und Damen Politiker zur Abwechslung mal etwas sinnvolles unternähmen anstatt ständig Pläne zur vollständigen Beseitigung der Informationsfreiheit zu schmieden? Die einzigen Lichtblicke in diesem Meer aus Ignoranz und Dummheit sind Frau Leutheusser-Schnarrenberger (Bekämpfung von Internetsperren, Förderung der Pressefreiheit) und Frau Aigner (Forderung nach besserem Datenschutz in Sozialen Netzwerken). Ich habe ehrlich gesagt keine Lust meinen Enkelkindern irgendwann mal zu erzählen wie das damals war, bevor Deutschland sich in einen Nordkorea-Remix verwandelt hat.
censorship european style 29. Mar 2010

Bild: AK Zensur
Wenn auf nationaler Ebene zur Abwechslung mal die Vernunft in Sachen Netzpolitik siegt dann kommt kurze Zeit später Europa daher und die Debatte über die Installation einer Zensurvorrichtung fängt wieder von vorne an. Der neue Teufel heißt Censilia.