living a life without a youth 22. May 2011
In meiner Jugend waren mir “die Jugendlichen” immer ein großes Rätsel. Heute sind sie es immer noch. Jugendliche machen unlogische Sachen. Jugendliche sind beispielsweise ausgeprägte Sadisten, sprich sie quälen gerne ihre Altersgenossen. Ich habe niemals andere Jugendliche gequält. Jugendliche “rebellieren” gerne gegen ihre Eltern. Ich habe niemals gegen meine Eltern rebelliert. Gegen was sollte ich auch rebellieren, meine Eltern habe mir schon im Kindesalter alle Freiheiten der Welt gelassen. Ich konnte kommen und gehen wann ich wollte und tun und lassen was ich wollte. Jugendliche haben Spaß an willkürlicher Sachbeschädigung und lassen gerne überall ihren Müll fallen. Das konnte ich niemals nachvollziehen. Jugendliche trinken zuviel und machen im trunkenen Zustand Sachen die sie nachher bereuen. Ich habe auch hin- und wieder viel getrunken und hatte infolgedessen durchaus signifikante Probleme mit der sprachlichen Artikulation oder mit der Fortbewegung aber ich bereue nichts, was ich im trunkenen Zustand gemacht oder gesagt habe. Im Grunde genommen bin ich nie “jugendlich” gewesen, und deswegen kann ich vermutlich auch nie “erwachsen” werden, “die Erwachsenen” verstehe ich nämlich genau so wenig wie “die Jugendlichen”. Letztlich ist mir ein Großteil der Menschheit ein Rätsel, wobei die beste Entscheidung der letzten Jahre der Umzug nach Berlin war, hier gibt es nämlich so viele Sonderlinge, dass ich das Gefühl habe endlich zuhause zu sein.
the youth is lost, society is doomed! 16. Apr 2011
Wir nehmen zur Kenntnis, dass gesellschaftliches Wachsein, „Dagegensein“, Political Correctness, (musik)historisches Verständnis, Gender-Bewusstsein und einiges Emanzipatorische mehr nicht mehr zum selbstverständlichen Wertekanon der aktuellen Independent-Szene gehört. (Quelle: Pop Up)
Auf “Political Correctness” verzichte ich dankend, aber ansonsten beschreibt diese Beobachtung sehr anschaulich die opportunistische Generation Biedermeier.
hit by a sudden youth flashback 03. Mar 2011
Und einmal hab ich Dich getroffen
Ich glaube fast es war irgendwann im Mai
Du zeigtest Dich betroffen
Von der Zeitverfluggeschwindigkeit
my personal musical development 09. Dec 2010
Das erste Musikstück was mich auf nennenswerte Weise berührt hat habe ich Ende der Achtzigerjahre in der Nähe von Chicago im Alter von neun Jahren im Zimmer des großen Bruders meines Freundes K. gehört. Es handelte sich um nicht nichts geringeres als das Stück Paradise City der amerikanischen Hard-Rock-Band Guns N’ Roses. Ich war damals so begeistert von dem Stück, dass ich mir umgehend das ganze Album kaufte, womit Appetite for Destruction in Form der damals gebrächlichen Musikkassette dann auch gleich meinen ersten Tonträgerkauf markierte.
Das Album sollte sich als Einstiegsdroge für eine mittelstarke Metallphase herausstellen. Während die ganze Welt Anfang der Neunziger nach Seattle guckte arbeitete ich mich unter anderem genüsslich durch das Frühwerk von Metallica. Ich hatte für einen kurzen Zeitraum sogar mal lange Haare, allerdings nicht aufgrund einer rebellischen Attitüde, sondern weil ich schlicht und ergreifend zeitweise zu faul war zum Friseur zu gehen. Eine Kutte mit diabolischen Aufnähern habe ich nie getragen. Das war mir zu plakativ, auch wenn ich das damals nicht so hätte formulieren können.
Als ich aus dem Gröbsten der Pubertät raus war entdeckte ich irgendwann auf einem Konzert die deutsche Fanzineszene und damit die Welt des deutschprachigen Indiepop. Hamburger Schule nannte man das damals und es gab viel zu entdecken. Für einen kurzen Zeit erschien es mir tatsächlich als wenn Hamburg der Nabel der Welt wäre. Beinahe wäre ich auch dahingezogen, aber das ist eine andere Geschichte. Über die Hamburger Schule bin ich dann auf die Ro3003-Kompilation gestoßen und damit Ende der Neunziger erstmals in Kontakt mit elektronischer Musik gemäß meinen Vorstellungen gekommen. Das war dann auch ungefähr der Punkt an dem mein Musikgeschmack eingefroren wurde. Ich denke es wäre keine Übertreibung, wenn ich behaupten würde seit gut fünfzehn Jahren mehr oder weniger dieselbe Mischung aus Indiepop und Elektronik zu hören.
Womit ich lange Zeit überhaupt nichts anfangen konnte war klassische Musik. Ich hatte keinen Klavierunterricht als Kind und bin auch sonst nie in Kontakt damit gekommen. Ich kannte einfach niemanden der ernsthaft klassische Musik gehört hat. Meine initiales Erlebnis in Bezug auf klassische Musik hatte ich dann Mitte der Nullerjahre beim Betrachten des isländischen Films Nói Albínói. Dort hat klassische Musik in Form von Schostakowitschs Elegie zum ersten Mal eine emotionale Wirkung auf mich gehabt. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, da würde mir jemand etwas erzählen. Gleichzeitig war es auch eine Lehrstunde, weil ich bei meinen Recherchen sehr schnell gemerkt habe, dass ich nur diese eine Aufführung mochte und alle anderen Fassungen die ich mir anhörte mehr oder weniger entschieden ablehnte. Im Gegensatz zur Indiepop-Band die ihre Lieder immer alle selber spielt hat man also bei der klassischen Musik also immer zwei Faktoren welche, die Rezeption beeinflußen. Es reicht also nicht einen Komponisten zu finden, den man mag, man muss auch noch ein Streichquartett finden, welches die Komposition in angemessener Weise aufführt. Was mir dann vor kurzem noch gut gefallen war etwas von Schumann. Leider war die Sendung auf Deutschlandradio Kultur schon fast zuende als ich zugeschaltet habe. Ich denke ich werde mich mal in den kommenden Wochen in Spotify durch die Schumann-Aufführungen hören.
talking about the youth 03. Nov 2010
Wenn man als erwachsener Mensch Jugendliche kritisiert, dann wird einem gerne entgegengeworfen, man wäre einfach nur zu alt um die Jugend zu verstehen, was aber ist wenn man dieselben Verhaltensweisen Jugendlicher schon als Jugendlicher nicht in Ordnung fand? War man dann niemals jugendlich? Ist man dann von der Kindheit direkt ins Erwachsenenalter katapultiert worden? Ich denke da beispielsweise an so Verhaltensweisen wie dem Tragen von Kleidung mit großflächigem Markenaufdruck (z.B. “Helly Hansen”), dem Konsum von geschmacklosem Retorten-Pop (z.B. “Deutschland sucht den Superstar”) oder menschenverachtendem Hip-Hop (z.B. “Bushido”), willkürliche Sachbeschädigung (z.B. S-Bahn-Sitze, Bushaltestellen, Fahrräder), Ladendiebstahl als sogenannte “Mutprobe”, systematische Gewalt gegen Schwächere und exzessiver Gebrauch primitiver Ausdrucksweisen (z.B. “Hurensohn”). Alles Sachen, für die ich schon als Jugendlicher kein Verständnis hatte, wieso sollte ich sie also heute akzeptieren, nur weil ich älter geworden bin?