help, today's youth is doomed! 16. May 2010
Die Veranstaltungen seien “keine Partys”, sondern “düster und jämmerlich”, sagte der sozialistische Bürgermeister von Nantes, Jean-Marc Ayrault. Die Jugendlichen kämen nur, “um sich zu besaufen”. (Quelle: Heute)
Das wirft die Frage auf, ob sich der jugendliche Proletenmob jemals zu etwas anderem als hemmungslosem Besäufnis und wahlloser Kopulation getroffen hat. Da Monsieur Ayrault selbst nicht einem elitären Umfeld entstammt verwundert diese Weltfremdheit doch sehr.
about authenticity and fear 30. Apr 2010
Haben Sie mit Anfang zwanzig nicht auch manchmal Sachen gesagt, die Sie heute nicht mehr gedruckt sehen wollen? (Sahra Wagenknecht in der Taz als Referenz auf ihre Verherrlichung der DDR Anfang der Neunziger Jahre)
Klare Antwort: Nein. Ich habe vielleicht in meiner Kindheit manchmal häßliche und unsinnige Sachen gesagt, aber spätestens ab meiner Jugend stehe ich zu meinen Aussagen. Bei den allermeisten Sachen die ich Anfang Zwanzig gesagt habe, würde ich sogar die Formulierung unverändert stehen lassen. Ich war auch niemals Mitglied in einer Partei eines totalitären Staates. Ich habe menschenverachtende Gruppierungen schon seit jeher gemieden. Das Bedürfnis mir treu zu sein war jedoch oft gegenläufig dem Bedürfnis nach guter sozialer Integration. Im Zweifelsfall bin ich in meinem Leben aber immer lieber ein Außenseiter gewesen als mich irgendwelchen fragwürdigen Mehrheitsmeinungen zu unterwerfen. Das Leiden was durch die Selbstverleugnung erzeugt wird war in meinem Empfinden immer größer, als das Leiden durch die soziale Isolation.
Die Treue zu sich selbst war natürlich in der frühen Jugend teilweise schmerzhaft. Das höchste Prestige hatten natürlich immer die Jungs die systematisch verbal erniedrigt und geprügelt haben. Natürlich habe ich mich diesen Vorgängen nicht vollständig entziehen können. Wer das macht, der muss schon eine sehr starke Persönlichkeit haben und vor allem extrem schlagfertig sein. Beides trifft auf mich nicht zu. Ich bin letztlich ein erbärmlicher Feigling. Ich habe die ungezügelte Gewalt in meiner Klasse gegenüber Schülern und Lehrern weitesgehend toleriert aus Angst selbst zum Opfer zu werden. Aus dieser Perspektive kann ich ganz klar sagen, ich hätte nicht die Hitlerdiktatur verhindert. Vielleicht wäre ich bei der frechen Swingjugend dabeigewesen, aber sicher nicht bei der Weißen Rose.
Letztlich habe ich also manchmal aus Angst vor Repressalien meine Meinung zurückgehalten, aber wenn ich sie geäußert habe, dann ohne Rücksicht auf einen möglichen Verlust von sozialer Anerkennung.
lack of young weblog authors? 14. Apr 2010
Passend zur Konferenz veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein multimediales, kritisches Portrait der deutschen Blogger-Szene, die selbstreferenziell geworden sei und kaum noch jüngere Menschen anziehe. Die tummelten sich lieber in sozialen Netzwerken wie Facebook und hätten wenig für Netzpolitik übrig. (Quelle: Heise)
Ich denke diese These von Herrn Jauer lohnt es mal näher zu beleuchten. Die Behauptung es gäbe keinen Nachwuchs in der Weblog-Szene erscheint mir durchaus nicht völlig abwegig. Aus dem Bauch heraus würde ich vermuten, dass der typische Weblog-Autor mindestens Mitte zwanzig ist und die meisten wahrscheinlich in den Dreissigern. Als ich selbst dieses Weblog vor mittlerweile fast zehn Jahren initiiert habe war ich dreiundzwanzig Jahre alt. Ich denke Interesse am kritischen Diskurs entsteht bei den meisten etwa mit der Volljährigkeit, es bliebe also die Frage womit die achtzehn bis fünfundzwanzigjährigen potentiellen Nachwuchsautoren ihre Zeit verbringen.
These #1: Die komplette Jugend ist verloren. Sie trinkt sich lieber mit Alkopops ins Koma und postet dann die Bilder vom Besäufnis bei StudiVZ.
These #2: Die kritischen Jugendlichen meiden das Netz und gehen stattdessen lieber in die Bibliothek und diskutieren in erlesenen Literaturzirkeln.
These #3: Die Curricula der heutigen Studiengänge sind derart überfrachtet, dass auch interessierte Jugendliche keine Zeit mehr haben sich über ihr Studium hinaus zu engagieren.
These #4: Die Grundannahme ist falsch. Es gibt sehr wohl Nachwuchs.
Mit diesen Posting wäre im übrigen Herrn Jauers Vorwurf der Selbstreferentialität der Weblog-Szene hinreichend gestützt.
world peace is within reach 22. Mar 2010
Eine kampfunfähige amerikanische Jugend – jetzt mal ehrlich, eine bessere Nachricht kann es ja wohl kaum geben! Da es bekanntlich nur eine Frage der Zeit ist, bis sich Trends aus den Vereinigten Staaten in der restlichen Welt niederschlagen darf man also auf einen baldigen Weltfrieden durch allgemeine Kampfunfähigkeit hoffen. Irgendwann sitzen alle Jugendlichen dann verweichlicht vor ihren Konsolen und schlachten virtuell ab während um sie herum friedlich die Vögel zwitschern. Die einzigen die mir noch etwas Sorgen bereiten sind die islamistischen Schwachköpfe. Das sind bekanntlich die einzigen die resistent gegen die Indoktrinierung durch den amerikanischen Kapitalismus sind. Naja, wenn dann am Ende statt des erhofften Weltfriedens ein Terrorregime unter Osama bin Laden steht, dann wissen wir wenigstens wer mal wieder der Schuldige war: Die Killerspiele.
