pay what you want revisited 06. Mar 2010

Auch wenn Radiohead sagen, sie hätten vom Pay-What-You-Want-Prinzip profitiert, so stellt es sicher kein Modell für den anonymen Massenmarkt dar. Wo es aber meiner Meinung nach exzellente Chancen hat ist in der Nische. Bei Menschen wie der Musikerin Julia Kotowski, die ihr Album auf einem Netlabel veröffentlichen und dann parallel auf ihrer Website ein handgemachtes Digipak für den Connaisseur zu einem frei wählbaren Preis jenseits der Selbstkosten verkaufen. Sicherlich wird es auch hier Leute geben, die das Vertrauen mißbrauchen, aber ich denke die Mehrheit der Käufer wird sich ihrer Verantwortung bewußt sein und einen fairen Preis wählen.

Selbst für die Egoisten unter den Fans gibt es gute Gründe spendabel zu sein. Viele Independent-Künstler sind chronisch unterfinanziert und müssen in prekären Jobs arbeiten. Großzügigkeit bei der Bezahlung hilft ganz klar bei der Finanzierung des persönlichen Instrumentenparks und je höher die Einnahmen durch die Musik sind, desto weniger müssen die Musiker arbeiten und desto mehr Zeit haben sie für ihre Musik!

 

get a digital swedish identity 14. Feb 2010

Spotify in Schweden

Wer in Deutschland wohnt und gerne Spotify nutzen würde, für den gibt es in Schweden zahlreiche kostengünstige VPN-Dienste die einen gegenüber Spotify als waschechten Schweden ausweisen. Ganz sympathisch kommt auf jeden Fall Anonine herüber, bei denen man schon für schlappe 4 Euro im Monat einen schwedischen VPN-Zugang bekommt. Bezahlung läuft über Paypal, Kreditkarte oder einem Mobiltelefon mit einer schwedischen Simkarte. Damit erspart man sich zum einen alle zwei Wochen jemandem auf den Keks gehen zu müssen um die Auslandssperre zu beseitigen und zum anderen ist laut einer Freundin das Angebot an schwedischer Musik in Spotify mit einer schwedischen IP-Adresse größer. Sobald ich meine Einladung für Spotify Free erhalten habe werde ich mal die Qualität des Anonine-VPN-Zugangs testen und die Vielfalt des Spotify-Musikangebots noch etwas näher unter die Lupe nehmen.

 

spotify to the rescue 06. Feb 2010

Eine staatlich organisierte Kulturflatrate will der VUT nicht, er könnte sich aber vorstellen, selbst eine zentrale Musikbibliothek einzurichten, in die alle UrheberInnen ihre Musik einstellen und auf die NutzerInnen dann gegen eine monatliche Abgabe oder sogar kostenlos auf Musik frei zugreifen könnten. Auf legalem und komfortablen Wege. Vorbild hierfür: Spotify aus Schweden. Das sei ein wirklicher Kompromiss für User und MusikerInnen. (Quelle: Taz)

Theoretisch wäre Spotify die perfekte Lösung für die ganze Diskussion um Urheberrechte und illegale Downloads, leider befindet sich der durchschnittliche Labelmanager offensichtlich geistig noch im vergangenen Jahrhundert, es gibt nämlich - man mag es kaum glauben - in jedem Land ein individuelles Musikangebot, wobei das Problem verstärkt zutage tritt wenn man nach landessprachlichen Inhalten sucht. Wer also gerne sowohl deutschprachige als auch französischsprachige und schwedisch-sprachige Musik hört, der schaut bei Spotify tendenziell in die Röhre. Der Standort legt fest auf welche Musik er Zugriff hat. Willkommen in der Kleinstaaterei! Das ganze Ausmaß der Absurdität offenbart sich einem beim Anblick der Spotify-FAQ.

In the copyright jungle, music rights are often divided among many different right holders in different geographical territories. That is, an artist may have licensed his or her music worldwide, except for UK, using a large record label that we have an agreement with. However, the artist may have licensed his or her music to a small label in UK that we do not have an agreement with, resulting in that Spotify has the music in all countries except UK until we have signed with that specific label

Die Spotify-Jungs sind aber dennoch frohen Mutes, dass sie die Labelmanager noch auf den rechten Pfad der Tugend bringen können.

We’re constantly trying to get our content providers to diverge from these types of territorial restrictions and hope to have all music available in all countries.

Besonders albern wird es dann wenn ein Bürger eines Landes für längere Zeit ins Ausland geht. Zumindest für die Gratiskonten ist nicht vorgesehen für länger als zwei Wochen im Ausland zu sein, danach muss man sich erstmal wieder im Heimatland einloggen, damit man weiterhören kann. Das führt dann dazu, dass die ganzen Berlinschweden alle zwei Wochen jemanden anstupsen müssen, sich mal kurz mit ihren Benutzerdaten bei Spotify einzuloggen, damit sie wieder weiter Musik hören können.

Ich habe mal spaßeshalber mit dem Benutzerkonto einer Freundin eine kleine Bestandsaufnahme des aktuellen Sortiments gemacht. Von Ausnahmen abgesehen waren Morr Music, City Centre Offices und Karaoke Kalk sehr gut vertreten, ansonsten war die Ausbeute sehr durchwachsen. Hier eine kleine Übersicht, wobei + bedeutet alle oder fast alle Alben vorhanden, o bedeutet zumindest ein Teil der Alben war vorhanden und - bedeutet kein einziges Album war vorhanden (aber vielleicht einzelne Tracks von Kompilationen). Die Auswahl ist natürlich vollkommen willkürlich.

Styrofoam + Lali Puna + Múm o Ms. John Soda + The Go Find + Masha Qrella + Benjamin Gibbard o Contriva + Seabear + The Wooden Birds + Electric President o Arovane + Christian Kleine + Dictaphone + Xela + Dub Tractor + Ulrich Schnauss - Swod + Donna Regina o Hauschka + Takagi Masakatsu + Wechsel Garland + Kuchen + März - Hausmeister + Club 8 o Douglas Heart o Laurel Music o Frida Hyvönen + Säkert! + Hello Saferide + Raymond & Maria + Anna Järvinen + PeterLicht + Die Aeronauten o Die Sterne o Tilman Rossmy + Chris Garneau - Trentemøller o Pipas o The Submarines + Slowblow - Piana + Emilian Torrini +

Das gestern erschienene neue Album von The Go Find sucht man indes leider vergeblich. Der brave Spotify-Nutzer ist also nicht nur im Nachteil gegenüber den Albumleak-Downloadern, er ist ebenso im Nachteil gegenüber den Albumkäufern. Die Zukunft der Musikindustrie habe ich mir irgendwie sexyer vorgestellt.

 

old school music media 27. Dec 2009

Komm Küssen

 

the development of modern djing 04. Dec 2009

Die Frage ob der DJ in seiner Rolle eher ein Künstler oder eher ein Dienstleister ist, läßt sich pauschal sicher nicht beantworten. Das war schon immer so und wird aber um so offensichtlicher, je weiter die technische Entwicklung fortschreitet. Die kreativen Möglichkeiten von Traktor Pro und Live lassen die Grenzen zwischen Produktion und Reproduktion immer weiter aufweichen. Die Tonqualität von Time Stretching und Pitch Scaling und die Erkennungsrate von Key Detection hat beispielsweise mittlerweile ein Niveau erreicht, was nicht nur die Möglichkeiten des traditionellen DJings erweitert sondern auch Techniken wie Harmonic Mixing auf eine völlig neue Stufe hebt. Welche Folgen das für das Arbeiten des DJs idealerweise haben kann beschreibt ein leicht hyperaktiver Engländer namens Jonathan recht anschaulich auf Youtube. In seinem Video läßt er sich ab der Zweiminutenmarke gar dazu hinreißen den Aufbau eines anspruchsvollen harmonisch-stimmigen DJ-Sets mit dem einer klassischen Symphonie zu vergleichen. Für jeden ideologisch-bornierten Klassikvertreter sicher ein Affront, aber ich finde den Vergleich spontan recht stimmig, weil er doch die Vielfalt der Möglichkeiten und die Verantwortung des DJs angemessen zum Ausdruck bringt. Ich bin gespannt in welcher Form Harmonic Mixing in Zukunft in Traktor Pro Integriert wird. Bisher ist meine Wunschliste immer noch sehr brav von Native Instruments abgearbeitet worden!

 

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