utopia community review 12. Feb 2010

Ich finde Grundidee von Utopia prinzipiell hochgradig befürwortenswert. Leider gibt es in der Praxis dann doch einige unerfreuliche Seiten. Zumindest hochgradig diskussionswürdig ist beispielsweise, ob man notorischen Nervensägen wie dem Hollywood-Spacken Brad Pitt noch weiteren publizistischen Raum einräumen muss. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob denn nicht der Zweck in diesem Fall die Mittel heiligt, aber auf mich persönlich wirkt so eine Gallionsfigur eher abschreckend. Die Vorstellung beim gepflegten Sonntagsbrunch das Thema Nachhaltigkeit anzuschneiden und dann zu hören bekommen “dass der Brad Pitt ja jetzt auch in diese Geschäft eingestiegen sei” gehört definitiv zu den eher gruseligen Vorstellungen. Das nennen die Soziologen dann Distinktionsbedürfnis.

Mindestens genauso abschreckend wirkt auf mich die Gruppe der ökoreligiösen Eiferer und der Öko-Missionare . Da wird der nachhaltige Lebensstil als einzig wahrer Weg zur ewigen Glücksseligkeit propagiert und jeder der anderer Meinung ist ist automatisch ein Ungläubiger den es zu konvertieren gilt. In diesem Zusammenhang möchte ich unmißverständlich festhalten, dass meine Motivation dafür mein Leben ein kleines bisschen nachhaltiger zu gestalten keinesfalls ein wie auch immer geartetes schlechtes Gewissen ist. Ich fühle mich nicht schuldig gegenüber irgendwem. Weder jemand aus der Gegenwart noch jemanden aus der Zukunft. Ich bin generell ein strenger Feind von jeglicher Moralisierung. Von mir aus kann jeder einen Hummer fahren, am Wochenende kurz nach Ibiza jetten und seine Zahnpasta bei Schlecker kaufen, das ist jedem seine freie Entscheidung. Ich werde diesem Menschen vielleicht intellektuelle Fähigkeiten absprechen, aber ich werde ihn nicht moralisch verurteilen. Zum einen weil ich Moralisierung generell für falsch halte und zum anderen weil ich sie für kontraproduktiv halte. Man muss Menschen mit Logik und Argumenten überzeugen, nicht mit der Moralkeule. Ein anderes unerfreuliches Phänomen dem man in der Utopia-Community begegnet ist der ökologische Schwanzvergleich. Da wird dann stolz verkündet, dass man es ja jetzt endlich geschafft hätte den nächsten evolutionären Schritt zu vollziehen und vom Vegetarier zum Veganer zu werden. “Was, du bist nur Vegetarier? Sorry, dann bist du ein Mensch zweiter Klasse.” Wenn man nur Motivation für einen nachhaltigen Lebensstil daraus schöpfen kann sich in einer artifiziellen Hierachie hochzuarbeiten, dann sollte man es besser gleich sein lassen.

Ich persönlich lese lieber ein fundiertes Buch wie Sustainable Energy als mir das gehaltlose Geschwafel von irgendwelchen statusorientierten Dampfplauderern durchzulesen, die meinen sie wären jetzt plötzlich schwer angesagt in ihrer Peer Group nur weil sie ihren Lebensmittelbedarf ausschließlich im Bio-Supermarkt decken und ihr Vermögen in Ökofonds investiert haben.

 

lobbycontrol about greenwashing 09. Feb 2010

LobbyControl hat eine neue Website und ich finde sie sehr gelungen. Recht lesenswert ist die Greenwashing-Studie. In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht auch den Klima-Lügendetektor nicht unerwähnt lassen, eine Art Greenwashing-Watchblog. Eine interessante Sache, die ich noch auf der neuen LobbyControl-Website entdeckt habe sind die angebotenen Lobby-Stadtführungen in Berlin. Über eine Spende freut sich LobbyControl sicherlich jederzeit. Momentan ist die Spendenseite noch password-geschützt, aber sie wird sicher bald freigeschaltet.

 

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