forced labor - a matter of conscience 08. Mar 2010
Zu den gruseligsten Alpträumen gehört definitiv als Bezieher von Arbeitslosengeld II eine Arbeit bei einem Unternehmen zugewiesen zu bekommen, was nicht nur Dumpinglöhne zahlt sondern auch sonst keinerlei Verantwortungsbewußtsein für die Gesellschaft und Umwelt erkennen läßt. Beim Wehrdienst hat man wenigstens die Möglichkeit den Dienst an der Waffe zu verweigern und stattdessen einen frei wählbaren Ersatzdienst zu leisten, diese Möglichkeit ist hier meines Wissens nicht gegeben. Die Sanktionen bei sogenannten Pflichtverletzungen sehen eine bis zu hunderprozentige Kürzung der Bezüge inklusive der Mietkosten vor. Das bedeutet also in der Praxis, dass die Alternative beispielsweise zur Arbeit in der betrügerischen Drückerkolonne, dem bauernfängerischen Call Center oder als Fußgängerzonen-Promotionterrorist das Leben auf der Straße mit Verpflegung in der Armenküche ist. Beim nächsten Landstreicher auf dem Straßenboden also ruhig einen Extragroschen reinwerfen, es könnte sich um ein Opfer der Zwangsarbeit unseres sogenannten Sozialsystems handeln.
basic income goes mainstream 23. Feb 2010
Das Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommens ist jetzt offiziell im Mainstream angekommen. Wenn die Konzerne schon zur Profitmaximierung die Arbeitsplätze der Menschen in Billiglohnländer verlagern, dann sollen sie wenigstens dafür sorgen, dass ihre ehemaligen Mitarbeiter nicht gezwungen sind in öffentlichen Mülleimern nach Pfandflaschen zu graben um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Die Bedingungen haben sich aufgrund der Automatisierung und Globalisierung geändert, der Sozialstaat braucht ein neues Betriebssystem. Es gibt einfach Unmengen von Menschen für die es keine Stellen auf dem regulären Arbeitsmarkt mehr gibt. Es gibt einfach Unmengen von Menschen die von ihren Hungerlöhnen nicht leben können. Ob das bedingungslose Grundeinkommen nun der Stein der Weisen ist, vermag ich nicht zu beurteilen, aber einen regionalen Feldversuch fände ich auf jeden Fall lohnenswert.
nutrition transparency needed 19. Feb 2010
Aus zahlreichen Studien wissen wir, dass bildungsferne und -arme Schichten von dieser Entwicklung (Anm.: Zunahme der ernährungsbedingten Krankheiten) ganz besonders betroffen sind. Deshalb müssen Lebensmittel so einfach deklariert sein, dass sowohl Analphabeten als auch Menschen mit niedrigem Bildungsniveau mit einem Blick erkennen können, ob bei den von ihnen bevorzugten Lebensmitteln gesundheitliche Risiken bestehen oder nicht. (Wolfram Hartmann, Präsident des Kinder- und Jugendärzteverbandes auf Spiegel Online)
Sehr erhellend in diesem Zusammenhang immer wieder der Blick in die Einkaufswagen des stark übergewichtigen Prekariats im lokalen Discounter. Dort befinden sich ernüchternderweise meistens just genau die Produkte die als unerwünschte Nebenwirkung eine Steigerung des Leibesumfangs haben. Obst, Gemüse, Müsli und Vollkornprodukte haben hier keine Chance gegen versalzene Mikrowellenmenüs, fettige Chips und überzuckerte Softdrinks in giftigen Farben. Vermutlich wird die isolierte Einführung einer Lebensmittelampel nicht zu einer Verhaltensänderung bei der breiten Masse der Betroffenen führen, aber wenn beispielsweise lernwillige adipöse Patienten in einer Klinik an einer Therapie teilnehmen, dann stellt eine Lebensmittelampel in meinen Augen eine große Vereinfachung für die Therapie dar. Anstatt lange Listen von schädlichen Produkten studieren zu müssen hätten sie mit der Ampel sofort ein verläßliches Werkzeug an der Hand.
increasing stupidity every day 19. Feb 2010
Jetzt hat die FDP endlich mal die schmutzige Wahrheit an den Tag gebracht, Arbeitslose sind alles faule Schweine, denen man nur mal so richtig einheizen muss damit sie wieder schaffen gehen. Wenn der Begriff nicht geschichtlich vorbelastet wäre, wäre vermutlich auch die Forderung nach Arbeitslagern nicht weit. Dass schätzungsweise 98% der Arbeitslosen nichts lieber machen würden als arbeiten aber der Arbeitsmarkt einfach für viele zur Zeit keine Stellen hergibt wird in der Euphorie geflissentlich vergessen, aber als Bundes- oder Landtagsabgeordneter der FDP braucht man sich über derlei Nebensächlichkeiten des gemeinen Plebs natürlich keine Sorgen zu machen.
westerwave is actually right! 16. Feb 2010
Die meisten Menschen finden es unerträglich, wenn jemand, der arbeitet, oft weniger hat, als wenn er nicht arbeiten würde (Herr Westerwelle im Kölner Stadtanzeiger)
Schön, dass wir in dieser Angelegenheit so einer Meinung sind, schade nur, dass die Schlußfolgerungen die Sie aus Ihrer korrekten Feststellung ziehen die falschen sind. Anstatt den einzig korrekten Schluß zu ziehen und endlich armutsfördernden Dumpinglöhnen in Deutschland den Marsch zu blasen und einen menschenwürdigen Mindestlohn einzuführen plädieren Sie für eine Senkung der Sozialbezüge und damit für noch mehr Armut im Sinne der Profitmaximierung Ihrer Klientel.