welcome in the dark middle ages 19. Feb 2010

Die schwedische Urheberrechtsmafia hat heute einen gezielten Schlag gegen meine Person verübt. Als ich mich heute Morgen über Schweden und die Welt mit der öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung Rapport informieren wollte wurde mir obige ernüchternde Fehlermeldung präsentiert. Das Internet ist global? Fehlanzeige! Kleinstaaterei egal wo man hinschaut. Gott sei dank gibt es wirksame Gegenmittel.
get a digital swedish identity 14. Feb 2010

Wer in Deutschland wohnt und gerne Spotify nutzen würde, für den gibt es in Schweden zahlreiche kostengünstige VPN-Dienste die einen gegenüber Spotify als waschechten Schweden ausweisen. Ganz sympathisch kommt auf jeden Fall Anonine herüber, bei denen man schon für schlappe 4 Euro im Monat einen schwedischen VPN-Zugang bekommt. Bezahlung läuft über Paypal, Kreditkarte oder einem Mobiltelefon mit einer schwedischen Simkarte. Damit erspart man sich zum einen alle zwei Wochen jemandem auf den Keks gehen zu müssen um die Auslandssperre zu beseitigen und zum anderen ist laut einer Freundin das Angebot an schwedischer Musik in Spotify mit einer schwedischen IP-Adresse größer. Sobald ich meine Einladung für Spotify Free erhalten habe werde ich mal die Qualität des Anonine-VPN-Zugangs testen und die Vielfalt des Spotify-Musikangebots noch etwas näher unter die Lupe nehmen.
trust in the swedish society 07. Feb 2010
Als ich kürzlich in Stockholm war ist mir mal wieder klar geworden, dass es gewisse Aspekte der schwedischen Gesellschaft gibt, die mir sehr sympathisch sind. Ein zentraler Aspekt dieser Gesellschaft ist meinen Beobachtungen zufolge das Konzept des gesamtgesellschaftlichen Vertrauens. Natürlich gibt es in Schweden wie in jedem anderen Land auch Kriminalität, aber nichtsdestotrotz wird im Alltag viel mehr über Vertrauen geregelt.
Ein Beispiel ist die Stadtbibliothek in Lund. Als ich mich dort angemeldet habe wurden zwar meine persönlichen Daten erfasst, aber ich mußte weder meine Identität noch einen schwedischen Wohnsitz in irgendeiner Form nachweisen. Ein anderes Beispiel ist die schwedische Bibliothek in Berlin, gewissermaßen eine schwedische Enklave. Man kann dort jederzeit beliebig viele Bücher ausleihen und kein Mensch und keine Maschine kontrolliert den Ausleihvorgang. man nimmt sich einfach die Bücher und trägt selbst auf einen Zettel ein, was man sich mitgenommen hat. Der Jahresbeitrag ist gestaffelt nach Status, Studenten und Arbeitslose bezahlen weniger, es wird aber in keiner weise kontrolliert ob dieser Status auch tatsächlich vorliegt. Ein weiteres Beispiel ist der Schlittschuhverleih am Kungsträdgården in Stockholm. Man kann dort stundenweise Schlittschuhe ausleihen und muss dabei weder einen Pfand deponieren noch wird in irgendeiner weise die tatsächlich Leihdauer kontrolliert. Man sagt bei der Rückgabe einfach dem Angestellten wie lange man gefahren ist und dann berechnet er den entsprechenden Betrag. Ein anderes Beispiel ist ein Hamburger-Schnellrestaurant in Stockholm. Dort ist nach dem Essen immer ein Gratiskaffee inklusive. Kein einfacher Filterkaffee aus der Kanne sondern frischgemahlener Kaffee mit feiner Crema aus dem Vollautomaten. Den Kaffee holt man sich selbst und es wird in keiner weise kontrolliert wieviele Tassen man sich nimmt oder ob man überhaupt vorher dort etwas gegessen hat. Ich könnte diese Liste mit Beispielen beliebig fortsetzen.
In Deutschland wären derartige vertrauensbasierte Regelungen selbst in Kleinstädten völlig undenkbar. Es gibt hier in diesem Land einfach viel zu viele Menschen die nicht in der Lage sind mit Vertrauen umzugehen. Die Mißbrauchsquote wäre derart hoch, dass jedes vertrauensbasierte System sofort kollabieren würde. Die interessante Frage ist natürlich nun warum das so ist. Eine denkbare Antwort wäre, dass ein Mißtrauensklima immer in Mißbrauch resuliert, sprich wenn alles immer überall strikt reglementiert ist dann sind die armen Deutschen völlig überfordert, wenn ihnen plötzlich einfach mal vertraut wird und müssen dann ihren jahrelang in der Mißtrauensgesellschaft angestauten Frust darin entladen im Urlaub das Hotelhandtuch zu klauen.
Erfreulicherweise gibt es aber auch in Deutschland Möglichkeiten Vertrauen zu erfahren.
Eine zugegebenermaßen etwas ordinäre und auch deprimierende Möglichkeit ist über den Faktor Geld. Wenn man sich in einer Umgebung befindet, in der man in irgendeiner Form nachgewiesen hat, dass man über eine gewisse Finanzkraft verfügt, dann wird einem im allgemeinen deutlich mehr Vertrauen geschenkt, sprich wer viel Geld hat, der hat es nicht nötig ein System zu mißbrauchen. Ein Beispiel dafür sind Lounges von Fluglinien oder auch der Bahn.
Eine etwas erfreulichere wenn auch nicht wirklich sympathische Möglichkeit Vertrauen herzustellen ist der Faktor Bildung. Wenn ich mich in einer Umgebung befinde wo ich nachgewiesen habe, dass ich über ein gewisses Bildungsniveau verfüge, dann wird mir im allgemeinen auch mehr Vertrauen entgegen gebracht. Bestes Beispiel ist eine Bekannte die als Professorin an einer Universität gearbeitet hat. Diese ist mal in eine Verkehrskontrolle gekommen. Die Autos vor ihr wurden sehr ausführlich kontrolliert. Als Sie an der Reihe war hat der Polizeibeamte nur ihren akademischen Grad auf dem Personalausweis gesehen, dies anerkennend festgestellt und sie direkt ohne weitere Fragen durchgewunken.
Die einzige einigermaßen sympathische Möglichkeit in Deutschland Vertrauen entgegen gebracht zu bekommen läuft über den Faktor Kulturgeschmack. Wenn man sich in kleinen Szenenkreisen bewegt, dann wird einem auch in Deutschland oft Vertrauen entgegen gebracht. Da passiert es einem dann vielleicht, dass der Inhaber des Ladens den man gerade vor einer halben Stunde zum ersten mal betreten hat einen bittet doch mal kurz auf den Laden aufzupassen während er sich einen Kaffee holt oder die Band nimmt keinen Eintritt sondern läßt nach dem Konzert einen Hut rumgehen wo jeder soviel reinlegen kann wie er möchte. Wohltuende Inseln des Vertrauens.
comics, graphic novels and myself 20. Nov 2009
In meiner Kindheit habe ich Berge von Comics verschlungen. Von Asterix und Obelix und Lucky Luke habe ich mehrmals sämtliche Bände gelesen, denn sie befanden quasi in meiner Hausbibliothek. Darüber hinaus habe ich viele Stunden in der Stadtbücherei meiner Heimatstadt verbracht und mich leidenschaftlich durch das dortige Comicregal durchgelesen. Am liebsten habe ich Lustige Taschenbücher gelesen, von denen ich mir dann auch im Laufe der nächsten zwanzig Jahre eine mehrere hundert Bände umfassende Sammlung aufbauen sollte, wobei mittlerweile noch einige dutzend schwedischsprachige Kalle Ankas Pocket hinzugekommen sind. Obwohl ich das Medium nie völlig aus dem Blick verloren habe, war meine heiße Comicphase dennoch in meiner späten Kindheit bzw. meiner frühen Jugend. Seitdem beschränkte sich meine Comiclektüre auf besagte lustige Taschenbücher und einige zusammengetackerte DIY Fanzinecomics.
Im Juli dieses Jahres habe ich dann meinen Sommerurlaub in Form eines mehrwöchigen Schwedischkurses in der gemütlichen Studentenstadt Lund verbracht. Im Rahmen dieses Aufenthaltes bin ich dann mal wieder in den Genuss des vorzüglichen schwedischen Bibliothekssystemes gekommen. Bei meinem Aufenthalt in Malmö hatte ich zuvor bereits positive Eindrücke sammeln können und auch in Lund wurde ich mit offenen Armen empfangen. Das Erstellen des Bibiliotheksausweises war kostenlos, ich brauchte mich weder auszuweisen noch meinen damaligen Wohnsitz nachzuweisen und das Prozedere ging innerhalb weniger Minuten völlig unbürokratisch über die Bühne. Zuerst war ich hauptsächlich interessiert an den Veröffentlichungen des Lättläst-Verlages (zu deutsch: “Leicht gelesen-Verlag”), die Romane und Kurzgeschichten in leichter Sprache veröffentlichen. Die Zielgruppe dieser Bücher sind zwar nicht primär Sprachschüler sondern eher Menschen mit einfacher Bildung und lerngestörte Menschen, aber deswegen sind sie keinesfalls weniger als Lernmittel geeignet. Bei meinem ersten Besuch ist mir dann aber direkt die prominent direkt am Eingang platzierte Comicabteilung aufgefallen. Speziell ein Buch der schwedischen Autorin Maja Lindén ist mir ins Auge gestochen. Ich habe es neugierig in die Hand genommen und ein wenig quergelesen. Nach wenigen Comicstrips und einigen lauten Lachern war ich angefixt. Außerdem lag in der Auslage die schwedische Übersetzung von Persepolis. Ich hatte irgendwo schonmal von dem Buch gehört, aber mich noch nicht näher damit beschäftigt. Auch hier fand ich spontan gefallen an der Lektüre. Nachdem ich auf Anhieb auf diese zwei Volltreffer gestossen bin, habe ich mich dann anschließend neugierig durch den kompletten Bestand durchgegraben. Ich habe dann noch lediglich zwei bis drei weitere vergleichbar interessante Bücher entdecken können, aber nichtsdestotrotz hat diese literarische Begegnung in mir eine Erkentnis ausgelöst. Es gibt liebevolle, einzigartige und intelligente Comics für Menschen die der Pubertät entronnen sind. Das war eine gänzlich neue Erkenntnis die eine emotionale Wirkung auf mich hatte. Ich habe meine alte Liebe für das Medium Comic wieder erneuert.
Als ich dann wieder zuhause war, habe ich mich gleich mal im Netz schlaugemacht über die schwedischsprachige Comicszene. Allein in Stockholm gibt es über ein dutzend spezialisierte Comic-Buchhandlungen und darüber hinaus eine extrem umfangreiche Comic-Bibliothek. Ich habe dann erstmal über das Netz eine handvoll Werke bestellt um den ersten Hunger zu stillen und mir aber geschworen sobald wie möglich mal wieder nach Stockholm zu fliegen um die Szene vor Ort auszukundschaften. Im Januar werde ich diese Absicht dann endlich in die Realität umsetzen. Nachdem ich mich dann durch die schwedischsprachige Comicszene durchgewühlt hatte, kam irgendwann die Erkenntnis, dass es ja vermutlich auch interessante deutschsprachige oder englischsprachige Comics geben müßte. Ich habe dann ausgehend von Persepolis mich durch die Empfehlungen von Amazon gegraben. Da waren ohne große Mühen spontan mehr als ein Dutzend interessant erscheinender Werke dabei, die alle fleissig auf meinen Wunschzettel gesetzt habe.
Bei der Amazon-Auswertung ist mir vermutlich irgendwann in einer Rezension oder einem Klappentext erstmals der Begriff Graphic Novel über den Weg gelaufen. Ich war begeistert, nicht nur dass es gute Comics gab, es gab sogar noch einen Wegweiser dafür. Ähnlich wie als ich Anfang der 2000er-Jahre auf den Begriff Indietronics gestoßen bin, der wie ein Türöffner war für eine riesige Welt interessanter indie-elektronischer Musik im Netz und in Magazinen, stand hier nun auf einmal der Begriff Graphic Novel im Raum. Erfreulicherweise gab es sowohl in der deutschsprachigen, als auch in der englischsprachigen Wikipedia einen aussagekräftigen Artikel über den Begriff. Ansonsten findet man leider im Netz unter dem Begriff kaum nützliche Information. Die große Ausnahme bildet ein Weblog welches von einigen kleinen unabhängigen Comic-Verlagen befüttert wird. Das ist dafür aber umso inhaltsreicher und hilfreicher. In unzähligen Postings werden dort akribisch Neuveröffentlichungen und Rezensionen gesammelt. Dort bin ich dann bei meiner Lektüre auf zahlreiche ansprechende Werke gestossen. Außerdem gibt es auch Veranstaltungeshinweise zu Comicbörsen, Comiclesungen und ähnlichem. Einem solchen Hinweis werde ich heute Abend folgen und zur Lesung von Ulli Lusts Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens gehen. Die Autorin wirkt zwar im Video-Interview etwas selbstverliebt, aber die Leseprobe des Buches fand ich durchaus recht schmackhaft.
Zum Schluß noch das was eigentlich überhaupt dieses Posting getriggert hat. Auf Jetzt und beim Tagespiegel gibt es jeweils sehr lesenswerte Rezensionen von Graphic Novels. Die Rezension von Thomas von Steinaecker auf Jetzt ist dabei die kritischere von beiden. Das interessante daran ist, ich war letztens auf einer anderen Comiclesung in Kreuzberg wo der Autor das Buch vorgestellt hat und die Rezension deckt sich ziemlich genau mit meinem Eindruck. Ich finde der Mann hat recht mit seinen Beobachtungen. Ich finde die Beobachtungen aber überhaupt nicht schlimm, weil sie sich zum einen speziell auf die deutsche Comicszene beziehen und zum anderen mein Bedarf an leicht zu lesenden autobiographischen Comic-of-Age-Romanen noch lange nicht gedeckt ist. Wenn ich die Standardwerke der deutschen Comicszene abgegrast habe wird vermutlich irgendwann ein Zustand relativer Sättigung eintreten, aber bis dahin freue ich mich auf unterhaltsame Lektüre.
P.S. Man verzeihe mir etwaige fehlende Worte, Rechtschreib- und Grammatikfehler in diesem Posting, ich habe gerade nicht die Muße den Text korrekturzulesen.
temporary glitch 17. Apr 2009
But as in all good movies, the heroes lose in the beginning but have an epic victory in the end anyhow. That’s the only thing hollywood ever taught us. (Quelle: The Pirate Bay Team)