tvättstuga surveillance prohibited 19. May 2010

Die Tvättstuga, eine der zentralen Institutionen der schwedischen Gesellschaft, ist in Gefahr. Nachdem wohl scheinbar die Verschmutzungen und der Vandalismus in den Tvättstugas einer schonischen Wohnungsgesellschaft das tragbare Maß überschritten hat, wollte dieser kurzerhand umfassende elektronische Überwachungsmaßnahmen einführen. Das Stockholmer Verwaltungsgericht hat diesen Bestrebungen jedoch einen klaren Riegel vorgeschoben, mit der Begründung, dass das Recht auf Privatsphäre schwerer wiegt als der Ordnungszustand der Tvättstugas. Ich finde diesen Vorgang insgesamt sehr irritierend. Er wirft nämlich die Frage auf, inwieweit das Konzept des gesamtgesellschaftlichen Vertrauens in Schweden gefährdet ist. Die Tvättstuga hat jahrzehntelang einwandfrei funktioniert, wieso ist plötzlich eine signifikante Anzahl der Hausbewohner scheinbar nicht mehr in der Lage dieses Privileg zu achten?

 

flattr button privacy request 03. May 2010

Hier meine Anfrage zum Datenschutz beim Flattr-Button:

Hello, if I add a Flattr button to my website, an iframe gets inserted. As more and more sites add the Flattr button this eventually enables you to seamlessly track my websurfing if am logged into Flattr. Do you record visits to websites even if the Flattr button isn’t pressed and if you don’t how can I trust you on this? Cheers, Stefan

Und die Antwort von Linus Olsson:

Hi, that is absolutely true. Our button works like most of these buttons do and tracking the users is easily done. That is however nothing we do as we love privacy and hate sites who track people. Any data we store is anonymized first. Trust is always an issue on the net. But we are nice we promise :D Regards, Linus

Es gibt alternativ die Möglichkeit einen statischen Button einzusetzen.

 

pay what you want revisited 06. Mar 2010

Auch wenn Radiohead sagen, sie hätten vom Pay-What-You-Want-Prinzip profitiert, so stellt es sicher kein Modell für den anonymen Massenmarkt dar. Wo es aber meiner Meinung nach exzellente Chancen hat ist in der Nische. Bei Menschen wie der Musikerin Julia Kotowski, die ihr Album auf einem Netlabel veröffentlichen und dann parallel auf ihrer Website ein handgemachtes Digipak für den Connaisseur zu einem frei wählbaren Preis jenseits der Selbstkosten verkaufen. Sicherlich wird es auch hier Leute geben, die das Vertrauen mißbrauchen, aber ich denke die Mehrheit der Käufer wird sich ihrer Verantwortung bewußt sein und einen fairen Preis wählen.

Selbst für die Egoisten unter den Fans gibt es gute Gründe spendabel zu sein. Viele Independent-Künstler sind chronisch unterfinanziert und müssen in prekären Jobs arbeiten. Großzügigkeit bei der Bezahlung hilft ganz klar bei der Finanzierung des persönlichen Instrumentenparks und je höher die Einnahmen durch die Musik sind, desto weniger müssen die Musiker arbeiten und desto mehr Zeit haben sie für ihre Musik!

 

trust in the swedish society 07. Feb 2010

Als ich kürzlich in Stockholm war ist mir mal wieder klar geworden, dass es gewisse Aspekte der schwedischen Gesellschaft gibt, die mir sehr sympathisch sind. Ein zentraler Aspekt dieser Gesellschaft ist meinen Beobachtungen zufolge das Konzept des gesamtgesellschaftlichen Vertrauens. Natürlich gibt es in Schweden wie in jedem anderen Land auch Kriminalität, aber nichtsdestotrotz wird im Alltag viel mehr über Vertrauen geregelt.

Ein Beispiel ist die Stadtbibliothek in Lund. Als ich mich dort angemeldet habe wurden zwar meine persönlichen Daten erfasst, aber ich mußte weder meine Identität noch einen schwedischen Wohnsitz in irgendeiner Form nachweisen. Ein anderes Beispiel ist die schwedische Bibliothek in Berlin, gewissermaßen eine schwedische Enklave. Man kann dort jederzeit beliebig viele Bücher ausleihen und kein Mensch und keine Maschine kontrolliert den Ausleihvorgang. man nimmt sich einfach die Bücher und trägt selbst auf einen Zettel ein, was man sich mitgenommen hat. Der Jahresbeitrag ist gestaffelt nach Status, Studenten und Arbeitslose bezahlen weniger, es wird aber in keiner weise kontrolliert ob dieser Status auch tatsächlich vorliegt. Ein weiteres Beispiel ist der Schlittschuhverleih am Kungsträdgården in Stockholm. Man kann dort stundenweise Schlittschuhe ausleihen und muss dabei weder einen Pfand deponieren noch wird in irgendeiner weise die tatsächlich Leihdauer kontrolliert. Man sagt bei der Rückgabe einfach dem Angestellten wie lange man gefahren ist und dann berechnet er den entsprechenden Betrag. Ein anderes Beispiel ist ein Hamburger-Schnellrestaurant in Stockholm. Dort ist nach dem Essen immer ein Gratiskaffee inklusive. Kein einfacher Filterkaffee aus der Kanne sondern frischgemahlener Kaffee mit feiner Crema aus dem Vollautomaten. Den Kaffee holt man sich selbst und es wird in keiner weise kontrolliert wieviele Tassen man sich nimmt oder ob man überhaupt vorher dort etwas gegessen hat. Ich könnte diese Liste mit Beispielen beliebig fortsetzen.

In Deutschland wären derartige vertrauensbasierte Regelungen selbst in Kleinstädten völlig undenkbar. Es gibt hier in diesem Land einfach viel zu viele Menschen die nicht in der Lage sind mit Vertrauen umzugehen. Die Mißbrauchsquote wäre derart hoch, dass jedes vertrauensbasierte System sofort kollabieren würde. Die interessante Frage ist natürlich nun warum das so ist. Eine denkbare Antwort wäre, dass ein Mißtrauensklima immer in Mißbrauch resuliert, sprich wenn alles immer überall strikt reglementiert ist dann sind die armen Deutschen völlig überfordert, wenn ihnen plötzlich einfach mal vertraut wird und müssen dann ihren jahrelang in der Mißtrauensgesellschaft angestauten Frust darin entladen im Urlaub das Hotelhandtuch zu klauen.

Erfreulicherweise gibt es aber auch in Deutschland Möglichkeiten Vertrauen zu erfahren.

Eine zugegebenermaßen etwas ordinäre und auch deprimierende Möglichkeit ist über den Faktor Geld. Wenn man sich in einer Umgebung befindet, in der man in irgendeiner Form nachgewiesen hat, dass man über eine gewisse Finanzkraft verfügt, dann wird einem im allgemeinen deutlich mehr Vertrauen geschenkt, sprich wer viel Geld hat, der hat es nicht nötig ein System zu mißbrauchen. Ein Beispiel dafür sind Lounges von Fluglinien oder auch der Bahn.

Eine etwas erfreulichere wenn auch nicht wirklich sympathische Möglichkeit Vertrauen herzustellen ist der Faktor Bildung. Wenn ich mich in einer Umgebung befinde wo ich nachgewiesen habe, dass ich über ein gewisses Bildungsniveau verfüge, dann wird mir im allgemeinen auch mehr Vertrauen entgegen gebracht. Bestes Beispiel ist eine Bekannte die als Professorin an einer Universität gearbeitet hat. Diese ist mal in eine Verkehrskontrolle gekommen. Die Autos vor ihr wurden sehr ausführlich kontrolliert. Als Sie an der Reihe war hat der Polizeibeamte nur ihren akademischen Grad auf dem Personalausweis gesehen, dies anerkennend festgestellt und sie direkt ohne weitere Fragen durchgewunken.

Die einzige einigermaßen sympathische Möglichkeit in Deutschland Vertrauen entgegen gebracht zu bekommen läuft über den Faktor Kulturgeschmack. Wenn man sich in kleinen Szenenkreisen bewegt, dann wird einem auch in Deutschland oft Vertrauen entgegen gebracht. Da passiert es einem dann vielleicht, dass der Inhaber des Ladens den man gerade vor einer halben Stunde zum ersten mal betreten hat einen bittet doch mal kurz auf den Laden aufzupassen während er sich einen Kaffee holt oder die Band nimmt keinen Eintritt sondern läßt nach dem Konzert einen Hut rumgehen wo jeder soviel reinlegen kann wie er möchte. Wohltuende Inseln des Vertrauens.

 

you and your five hundred friends 20. Sep 2007

Bringen es schon die zurückhaltenden Deutschen auf durchschnittlich 35 Freunde (von denen sie ein Drittel noch nie in natura gesehen haben), so zeigen sich die jungen Brasilianer mit 91 Freunden noch wesentlich kontaktfreudiger. (Quelle: Heise)

Wie kann jemand allen ernstes behaupten eine fast dreistellige Anzahl an Freunden zu haben ? Es handelt sich hierbei wohlgemerkt um Durchschnittswerte. Ich vermute mal, dass hier nicht Freunde sondern Onlinebekannte gemeint sind, also “Friends”. Zu einem Freund gehört für mich neben einer grundsätzlichen Sympathie dann doch mal ein gewisses Vertrauen und eine mehr oder minder regelmäßige Beziehungspflege. Wie jemand bei derart inflationären Freundeszahlen noch in der Lage sein soll dies zu bewerkstelligen ist mir ein ziemliches Rätsel. Besonders schön kann man dieses Phänomen bei diversen webzwonulligen Websites beobachten. Da gibt es dann Nutzer die allen ernstes eine Kontaktliste mit einer hohen drei- oder gar vierstelligen Zahl Einträgen aufweisen. Im englischen gibt es dafür den schönen Begriff “contact whore”. Besonders albern finde ich das Verhalten im Zusammenhang mit Xing, da hierbei das Kontaktevermitteln ad absurdum geführt wird. Wenn jemand die Einträge auf seiner ellenlangen Kontaktliste sowieso nicht kennt, dann kann ich diejenigen auch gleich direkt ansprechen.

 

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