swiss cheese, music records and cars 08. Jan 2013

Wie auf DRadio Wissen unlängst berichtet wurde, hat der Schweizer Käse aufgrund der gestiegenen Sauberkeit bei der Verarbeitung immer weniger Löcher. Dass nun durch Zugabe eines Heublumen-Pulvers die Lochbildung wieder angekurbelt werden soll, erinnert doch sehr an Musikspieler mit »Vinyl-Sound-Emulation« oder Elektroautos mit künstlichem »Motorgeräusch«.

Die Motivation für die »Rückschritte« mögen unterschiedlich sein. Beim Käse die Vermarktbarkeit, beim Musikspieler die Hörgewohnheiten und beim Auto die Sicherheit. Allen drei gemeinsam ist, dass der moderne Herstellungsprozess ein Produkt hervorgebracht hat, dem eine Eigenschaft fehlt, welche bei dessen Erfindung nicht als Leistungsmerkmal betrachtet wurde. Aus der damals vielleicht sogar als Störung empfunden Eigenschaft hat sich mittlerweile etwas entwickelt, was als wertvoll betrachtet wird. Es lassen sich vermutlich noch zahlreiche weitere Beispiele finden.

 

they say jump, you say how high 25. Oct 2012

»Die Idee war, einen Leuchtturm zu schaffen«, sagt Heiner Schanz, Prorektor für Lehre an der Universität. Er habe von einem Ort geträumt, an dem Spitzenforscher gefördert und untereinander vernetzt würden. (Quelle: Zeit)

Das Vorhaben einen »Leuchtturm« zu errichten ist genauso absurd wie die Idee, dass ein staatlicher Bewilligungsausschuss die nationalen »Elite-Universitäten« festlegt. Renommee kann man sich nicht kaufen, Renommee muss man sich erarbeiten.

Dass eine derart kleingeistige Bildungslandschaft die meisten wirklich talentierten Forscher ins Ausland treibt ist kaum verwunderlich. Was bleibt sind verängstigte Konformisten die ihre Zeit in zunehmenden Maße damit verschwenden nach »Erfolgsfaktoren« in bewilligten und abgelehnten Anträgen zu suchen anstatt sich mit Leidenschaft ihrer Forschung und Lehre zu widmen.

Der Germanist Olav Krämer könnte nach dem Auslaufen seines Vertrages am Ex-Elite-Institut Ende 2013 zurück an das Deutsche Seminar der Uni Freiburg gehen. Für die Zellforscherin Melanie Börries wird es dagegen nicht so einfach. Sie schreibt jetzt Bewerbungen, um Ende 2013 nicht auf der Straße zu landen.

Dass man durchs das Erzeugen von Angst weder Kreativität und noch intellektuelle Leistungen steigert sollte eigentlich hinlänglich bekannt sein, aber offensichtlich hat der Geist von Dieter Bohlen nun leider auch in der akademischen Landschaft Einzug gehalten.

 

It's that special time of the week again 14. Oct 2012

Als mich beim nächtlichen Frittenverzehr in der nächstgelegenen Burgerbraterei ein etwa gleichaltriges Mädel ansprach und sich nach der Verfügbarkeit der Sitzplätze des von mir besetzten Tisches erkundigte, war ich zuerst für einen Augenblick perplex. Nicht wegen ihres zweifelsohne legitimen Informationsbedürfnisses sondern aufgrund des von ihr gewählten Anredepronomens: “Sind Sie fertig?” Als dann aber ihre Begleitung fragte wann sie denn eigentlich morgen auschecken müssten viel es mir ein: Es ist Wochenende.

 

net neutrality: an endangered freedom 03. Oct 2012

Verkehrsturm Karl-Marx-Allee Foto: Bundesarchiv 183-91638-0002/Stolle (CC BY-SA 3.0)

 

differing human dialog strategies 11. Jul 2012

Im Falle von Meinungsverschiedenheiten scheint sich mir die Welt grob in zwei Gruppen von Menschen zu unterteilen. Die eine Gruppe betrachtet eine Meinungsverschiedenheit als Auftakt zu einem verbalen Kampf an dessen Ende ein klarer Sieger und Verlierer zu stehen hat und die andere Gruppe betrachtet eine Meinungsverschiedenheit als Chance andere Denkweisen und Wahrnehmungen kennenzulernen und die eigene Position kritisch zu hinterfragen.

Wenn beide Gesprächsteilnehmer aus derselben Gruppe entstammen wird deren Erwartungshaltung befriedigt und die Kommunikation funktioniert gemäß dem Protokoll der jeweiligen Gruppe. Problematisch ist allerdings, wenn die Gesprächsteilnehmer aus unterschiedlichen Gruppen stammen, denn dann wird deren Erwartungshaltung nicht befriedigt und es besteht die Gefahr eines Kommunikationsabbruchs.

Ich rede hier natürlich von normalen Gesprächssituationen im Alltag und nicht von Extremsituationen die von unmittelbaren existenziellen Ängsten begleitet sind, also z.B. wie nachhaltig ein bestimmtes Produkt ist, welches Datenbanksystem man für ein Projekt verwendet, welches Startup vielversprechend ist, welche Besteuerung sinnvoll ist, welche Kommunikationsstragie im Umgang mit einer Behörde bzw. einem Unternehmen erfolgsversprechend ist, usw.

 

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